Bahnstrecken der westlichen Provinzen verbunden, in solchem Verein wie ein Giirtel die Lande umschliesst, und mit Verban- nung der Zeit und des Raumes den Bewohner vom Rhein dem Altpreussen die Hand reichen lasst. Mit den gréssten Festlich- keiten und der allgemeinsten Freude ist die Eréffnung dieser Bahn in Kénigsberg begriisst worden, insbesondere wurde da- bei mit den dankbarsten Geftihlen fir dies hohe Geschenk die Anwesenheit Sr. Majestét des Kénigs in dieser Stadt gefeiert, denn unter der besonderen Protektion dieses huldreichen Mon- archen ist die Oslbahn ins Leben getreten. Solche Gefiihle der Verehrung und des Dankes haben auch auf die ktinstlerische Ausschmiickung der kénigl. Absteigezimmer in dem Bahnhofs— gebdude gefiihrt, und eine kurze Beschreibung derselben hier zu geben, diirften sie wohl verdienen. Das gréssere Millelzimmer ist mil ganz blass silbergrauen, schweren seidenen Damasttapelten ausgeschlagen, auf denen zwischen den Arabeskenschliigen Adler cingewirkt sind. Das Kabinet zur Rechten ist mit gleich schénen blauseidenen Da- mastlapeten bekleidet, wie das Zimmer auf der linken Seite mit gleichen von griiner Farbe. Die hohen Thiiren zu diesen Zim- mern sind aus dem schénsten Mahagonimaserholz uad mit Ein- lagen von Stahl verzierl, die Bander daran bestehen aus Neu- silber, und die Driicker sind kunstvoll aus Elfenbein geschnitzt. Am vortheilhaflesten zeichnen sich aber die Malereien der Decke des Mitlelzimmers aus, welche mit den Compositio- nen der vorziiglichsten Kinsler der Kénigsberger Malerakade- mie geschmitickt ist. Die wie gewéhnlich ein Oblong bildende Decke ist in zwei raulenférmige Vierecke zerlegt, deren jedes ein Rundgemalde enthall. Das erste derselben, der Thiire zunichst, ist vom Direkior Rosenfelder componiri und stellt in alle- gorischen Figuren dar, wie die Eisenbahn auf gefligelten Wa- gen durch dice kénigliche Macht herangefiihrt, und von einer drillen Figur, welche die Stadt Kénigsberg reprasentirt, em- pfangen wird. Das folgende, in der Nahe der Fensterseite be- findliche Gemialde ist eine Composition von Pieltrowski, eben- falls in allegorischen Figuren. Man sieht hier die Eisenbahn mit einem Fillhorn, welches die ersehnien Glticksgtiler in sich birgl, die schlafende Industrie aulwecken; einige der schlum- mernden Kiinsle sind erwacht und entfalien thre Allribule, um ein reges Treiben zu beginnen, wahrend andere noch schlaf- irunten sich die Augen reiben und ein drilier Theil, noch im Schlummer befangen, des belebenden Auferstehungswortes harrt. Die zwischen den Vierecken gebildelen Dreiecke sind mit vier Medaillons ausgefiilli, welche die vorziiglichsten Giter der Ost- seeprovinzen bildlich zur Anschauung bringen, und den Acker- bau, die Pferdezucht, die Bernsieinlese und den Holzreichthum des Landes darstellen. Alle vier sind sehr sinnige Composilio- nen des Direkiors Rosenfelder. Die Einfassung der Vier-~ und Dreiecke, welche die beschricbenen Bilder enthallen, be- steht aus dussersi geschmackvoll zusammengesetzten Blumen und Fruchiguirlanden, die von dem Archiieklurmaler Gemme! entworfen sind. S&mmlUliche Malercien sind von dem Maler у. Reichenbach und den Eleven der Kénigsberger Akade- mie: Léschin, Funk, Péppel und Kratz aufs kunsivollste nach der neuen Erfindung, in Wasserfarben mit angesprengter Kieselsiure, ausgefiihri. Ausserdem sollien noch nach dem Plane des Architekiurmalers Gemme] die cinzelnen Felder der Decke mii Arabeskenschldgen ausgefilli werden, wodurch die ganze Decke viel leichter erscheinen und hauptsichlich die Rundgemalde weniger schwer wirken widen. Allein wegen der Kiirze der Zeit bis zur Eréffnung der Bahn musste die Ausfiillung mit den Arabesken Jeider unlerbleiben, wie auch die von demselben Maler sehr kunstvoll enlworfene Borie, welche darauf berechnet war, die Decke mehr zu heben und weniger dessen daselbst befindlichem Bildnisse. Eine beachtenswerthe Arbeit liefert L. Foltz in einem Gemsjager, skizzirtes Modell zu einer Brunnenstatue. Aus der Werkstatte Chr. Rauch’s sehen wir drei Gypsabgiisse der bekannten historischen Reliefs vom oberen Theile des Friedrichs-Denkmals in Berlin: 1, Ké- nig Friedrich I], von Preussen, wie er in der Wohnung eines schlesischen Webers dessen Arbeit priift, waihrend Athene ein neu erfundencs Weberschiffchen hinreicht; 2. Derselbe zur Er- holung die Fléte blasend, von den Musen umschwebt; 3. Кпо- belsdorf, der Baumeister des Schlosses Sanssouci, bringt ein klassisches Werk der Antike, den anbetenden Knaben von Bronze, wahrend die bekannten Windspiele den Konig umspringen. Vorziigliches Talent bekunden die Arbeiten von drei Zig- lingen der Minchner Akademie, L. Schubert’s aus Krakau » Christus als Kinderfreund“, W. Schitzinger’s ,, Bacchus, vom Genusse vieler Trauben berauscht, wird von Amor unter- stiitzt (Marmorgruppe) und J. P. Hoenig’s aus Ansbach ,,Amor und Psyche“, Unter den Portraitbiisten bewundern wir Chr. Rauch’s Alexander v. Humboldt. — Е. Miller aus Gdllingen lieferte die Buste Geibel’s und J. Riedmiiller die des Bildhauers Schwanthaler, des Malers J. Fischer und des verstorbenen Aslro- nomen Gruithuisen. Im Auftrage S. M. des regierenden Kénigs wurden nach Modellen der vorziiglichsten Minchner Bildhauer bereits tiber 30 Portraitbiisten bertihmter Manner durch F. v. Miller in Erz ausgefiihrt und sind bestimmt, das Arbeilszimmer des (Kénigs in der Residenz zu schmiicken; auf der diesjahrigen Ausstel- lung befinden sich bereits in Erz mii Meisterschaft vollendet: Friedrich y. Schelling, nach J. Halbig; Kari der Gr., Prinz Eugen, Elisabeth, Konigin von England, nach L. Schaller; Friedrich Barbarossa und Rudolph vy. Habsburg nach X. Schwan- thaler, und Kaiser Carl V. und Kaiser Maximilian I. nach M. Widnmann. Unter den vorhandenen Arbeiten der Medailleurs miissen als vorziiglich die von C. Fischer und F. Kullrich in Berlin und C, F. Voigt in Miinchen hervorgehoben werden. Indem ich hiermit den Bericht uber die diesjahrige Miinch- ner Ausstellung schliesse, sei die Bemerkung erlaubt, dass es, dem Titel gemass, hauptsachlich darum zu thun war, die Phy- siognomie derselben, den allgemeinen Werth ihrer Leistungen zu veranschaulichen; sind dennoch einzelne Arbeilen von Be- deulung weniger griindlich besyrochen, vielleicht gar aus Ver- sehen mit Slillschweigen tibergangen worden, so mége hierfir in dem Streben eine Enischuldiguug gefunden werden, den To- taleindruck nicht zu verwischen durch allzu ausfiihrliche Be- handlung aller einzelnen Gegenstinde. Fir diejenigen aber, die mit dem Vorwurfe drohen mich- ten, dass hie und da eine individuelle Ansicht zu scharf und unumwunden ausgesprochen sei, und die, nach eigner Ueber- zeugung, der unsrigen beizustimmen, sich nicht verslehen kénnen, schliesse ich mil den Worten Biddles: ,,7Aere are my opinions, very deliberately formed, and very frankly expressed.) Die Wandmalereien in dem Bahnhofsgebadude zu Konigsberg. In neuerer Zeit ist wohl kein Ereigniss ftir die Ostsee- provinzen des preussischen Staates von solcher Wichtigkeit ge- wesen, als die Erbauung der kénigl. Ostbahn, welche mit den 1) Dies sind meine Ansichten, sehr sorgfaltig erwogen und sehr frei- mtthig ausgesprochen, Red.