уе 1019. 5. Мат; 1864.]
	Allusiririe Zeiturg,
	дер е, 1а ш mander Besiehung ftrenge Ordnung und ein ge:
genfeitiger Rujammenhang jtempelt diefelben gu einer entfdjiede:
nen Rafte, in dex fid) vollftindige Familien ausbildeten, die fteh
neben bem tibvigen Bolte von Gefdjledt yu Gefdiledit fort
pflangten , ihre etgenen Trabditionen erhielten, die dem von dev
umnberftreihenden Mutter unter einem Bujcse und binter einem
Baune oder in einem Holsidhuppen geborenen Kinde einen feinen
einftigen Genoffen gegeniiber berechtigten Geburt3ftol; verleihen.
Зе wandernden Familien fdjaren 1% in vielen Generationen
vereint, der Sdugling auf bem Riicen der Mutter, dad altere
Kind an ihrer und bes Vater’ Hand um einen einjigen Ulivater
ober eine Ultmutter, denen fie al8 jelbft fdjon ergrante Kinder
und als rajdje frdftige Enkel denjelben Gehorfam betveifen wie
die auf der Landftrafe aufgewadsfenen und woblgediehenen Us:
enfel. Nur allgu oft ereignet e8 fich leider, dafs Leichtfinnige, die
urfpritnglicy der beffern Gefellfdjaft angehirt haben, dieje ver-
lajfen und fic) in die Genoffenfdaft der Fanten einreihen oder
gar in die Familien derfelben hineinheirathen; ihnen ginnen
die wahren Fanten dann twol aud) die Begeichnung Fant, aber
mit verfdiedenen begeihnenden Buftigen yu ihren Namen, twie
3. B. Kiiften:Dla, Stadt=Vife rc., twas dte grofe Menge daran
erinnern foll, dak fie ihrem eigenen Wusdrude nach body nur
vom ,,Volfe hergefommen find”, d. . von febbaften norwegi:
Tcher Leuten abftammen, alfo nur naturalifirte, feine echten
Santen find.

Bwet tweitere befondere Qiige im Leber der Fanten, die dazu
berechtigen, fie al8 frembe3 Volk oder abgefonderte Rafte зи Бе:
trachten, find erftens bie Thatfade, dab fte jich fo weit als miglic)
auperhalb der im Lanbe hervicjenden Religionsgefell[daften 3u
halten wiffen, fodak die grofe Menge von jedem eingelnen Fant
annimmt, er laufe ohne Taufe und Chriftenthum umber, und
giwettens der Umftand, daB die eingelnen Gorden unter fich durch
feftftebende Anordnungen gu einer Wrt ftaatlider Gefellfchaft
berbunben find, die unter fics eine eigene, allen tibrigen unver-
ftindlide Fanten{prade rebet. Sie felbft nefmen diefe and ahn-
(фе, eingelnen Diftricten angehirende Bezetchhnungen febr iibel,
fobalb fie ihnen von Fremben, d. . auferhalb ihrer Genoffen-
{daft ftehenden, beigelegt werden und tvenbden im fpectellen
diefen gegeniiber fiir ftch Begeidhnungen an, die fich auf gewiffe
ibnen eigenthiimlide Hantierungen, tie Befenbinden, Reffel:
fliden und Topfbinden, Drabtflediten, Pferdefdneiden u. f. tv.
begiehen, ober noch lieber folde, die Hindeutungen auf ihre felt:
fame Lebensweife enthalten, wie bie Namen: Streicher, Laufer,
Fabrende, Schweifende, Stableute (Stavkarle, Wanderer, bon
Stay, bon Wanderitab) oder auch Bigernde (Traadragere, Leute,
bdte bon Hof 3u Sof langiam wanbdern, von traat, mide).
	Ueber ben etgenilidhen Urjprung dtefer Rafte herriden die
verfchiedenartigften Meinungen bet bem fcbltchten Bolte ded
Landes, bod alle verweifen fie nach dem Wudslande, nad der
Srenrde. Wm originellften zeigt fich fiir unB eine in Tellemarfen
berrfdende Wnfidyt. Фо Бе namlich feit Langer Beit der Ge-
braud ihrer dem Uneingeweihten nidt verftindlidien Nedeweife
poeutfdhen” und dte Santen felbft nennt man: ,,Wilddeutfde” ;
unbebingt eine Grinnerung der Bevilferung deS dortigen Diftricts
an deutidhe Bergleute, die Chriftian I. in das Land gefendet,
die aber ftatt in ben Werken yu arbeiten fic in die Gebirge und
auf Raiuberei twwarfen. Wuch Fann man hier und in der ftabanger
Gegend die Stammbaume eingelner diefer Gorden fiinf und feds
Glieder weit hinauf sablen. — Wm allgemeiniten hervidt jedod
die Veberzeugung de8 finnifden Urfprungs beim fdlidten Bolt.
Schon feit uralter Beit haben die Finnen in ber Phantafie des
Norwegers alB ein entfdiedenes Baubervolt dageftanden, und
die Ausibung magifder Riinfte, bei der bie Fanten als einer
ibrer Haupthejhaftigungen in Wusnithung de3 lacherlidjen Bu-
trauens und der aberglaubifdjen Surcht ihre Recynung noch heuti-
gen Tages zu finden wiffen, labt das Volk ritdwarts fepltefend
biefe gu jenen werden, die ibrerfetts wiederum gang gern in dad
Erbe diejes aberglaubifchen Voructheils ireten, wenn fdjon fte
pafiir die feit Wrild’s Beiten dem Finnen anhaftende Verachiung
auf fic) nebmen miiffen.

Die Regierung ridjtete 1845 bet einer neuen Volfazahlung

gum erften mal ihre Wufmerffamfeit durd) Cinforderung befon-
derer Angaben iiber ihre Verhiliniffe und Lebensweife auf diefe
Rafte, nachdem fie faft burch einen Bufall auf da3 Untwefen der:
felben aufmerffam geworden, deffen Borhanbdenfein durd eine
Fille von Verordnungen in Noriwegen und dem Nachbarlande
Sdweden, wo diefe Landlaufer, mit den dortigen gemeinfame
Gace machend, ein: und ausgingen, in der Gefebgebung feit
dem 16. Sabrhundert conftatirt iff. Sie galt ihr aber auch da-
mals nod, wie fet friiher al8 eine gufammengelaufene Horde
aus dem Ausfdulfe der Civilijation und ber dem Lande eigen:
{ии фен niederen Bolk3tlaffen; ihre Spracje aber, deren Bor:
handenfein faum geglaubt wurde, al8 eine im bichften Falle
erfunbene, finftlicje Diebesforache; ihr Yamilienleben al8 ein
im friedliden Umberftreifen burd) gemeinfame Intereffen und
die nicht gu ertddtenden inftinctiven Buneigurgen und den un:
geziigelten Fortpflangungstrieh neben ber durd) dad Gefets ge:
bunbdenen Gefellfdjaft entftandene8, aber feineSiveg3 al8 etn
pollftinbdige3 Raftenleben. Da wurde endlich im Jahre 1847
der Verfudh gemadt, die geringen in der Uilgemeinheit getwon:
nenen Renniniffe бег den Uriprung und den Umfang diefed
permeintlichen Muswuchjes des Volkslehens dort zu ergingzen und
au bermefren, Iwo dev eingig ergiebige Duell dariiber fliest, bet
der betradtliden Bahl Menjdjen, die ihre Tage in diefen ungliid-
lichen Berhialtniffen, weldje thre Wurgzeln tief in die Vergangen-
heit flagen, verlebten, die in ihnen geboren twurben, tie ihre
Meltern und Uvaltern darin ftarben. Man bequemte fic) dazu
fic) mit den noch heut unbheimlicjen Fanten eingulaffen. Cilert
Sundt, ein umfichtiger, [harf beobachtender und wiffen dhaftlid
trefflid) auSgeriifteter, junger Geiftlider, wurbe bon ber Regie:
rung tm Lanbe umbergefendet, um den Verfud) gu maden, wie
{weit bas feltfame Geldilecht geneigt fein witrde, fic) mit dem
Exrforjder fetner unbefannten Buftinde eingulaffen. Man бое
einS umd da8 andere gu hiren, was zur Erildrung de3 анте,
das ihr eben darbietet, dienen fonnte. Reich war der Scag,
den die Verge und Thiler deS Felfenlandes, aud) bei diefem
erften, natitvlih nur oberfladliden Schiirfen dem unermitdliden
For[dher darbot, und den er in einem umfaffenden Werke fetnen
Landsleuten st Tage legte, weldjem unfere Mittheilungen aud
entnommen find. Und twas ergeben bie vielfad getvonnenen
Ginzelvefultate? Nur ein neues Wunder, ein neues Rathfel ftatt
der gefuchten Grilirung deS alten.

Зее der Kanter, felbft folche, die diefen Namen ihrer Wb:
ftammung und ihren Seben nad mit воен Redjte fiihren,
fand Gilert Sundt thr Dafein fo gedantenlos dabinlebend, dab
ihe Sinn gdnglic) in dem niedrigen Betrieh dev Bettelei und Be-
triigeret, ihrer tiglidien Vervidtung, untergegangen war und
fie mer wenig Gefdeid itber bie Gegenwart und Vergangenbett
		Ulnsivrirke Zeitung,
	Wodjenkalender.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

; Ruffer :

1864   Proteftanten Ratholifen 1. ен] Suder Vilrten
1  1864 5624 1280
а . Rebruar Moar Ramadan
6, ©.  4. Qiitare 4. Qétare 23. Maffoy  28, 27. Nt. Win.

7. 3.  Perpetua Zh. vd. Mg. 24, Polytarp  29. 28.
8.9.   еток $59. о. боН25. ЭрЕ. Зов. 130. 29, Drauert
: 38° бат
9 DM. [Rebecca Franzista. (26, Wevafius   1. 30.
а Schewal
10. D.   QMleranber Rajus 27. Porphyry   2. 1.
2. % Моби опия. — [28 Brofop  3 2, [>
12. ©.  @уедогыз   Фтеду, 5. Gr.j29. Bafiliug   4. Potude 3. gu.Br.
Afivonomifder alender.
Sterngeit Sulmination  Mond
ase im mittlern der Sonne Pr Breit x ит
airy . na dnge  Breite ufgan, Gan:
Miittage sitet Beit о
6 228 57/ 454128 117 23“ 3220 + 5° 34 5h 15. fri
7 (93 “4 41 42 11 (8   337 В О сы tage
8 [23 5 38 [12 10 53   352 4 18 \ 61 45° 506.
9 23 9 34 12 10 38 7 3 28 8 5
10 22 13 31 12 10 23 22 2 36 Защ Dage   9 25
и 23 17 28 12 10 71  36 1 16 10 40
12 23 21 24 12 #9 50 49 [+0 4 11 50

 

 
	Sonnenaufgang 6 1. 30 DM. Sonnenuntergang 5 UW, 55 M
Reumond ben 8. Mary 4 UW. 49 DM. nadmittags.

Mond in Erdniihe den 7. Marz 8 Ube frith.

Mond im Wequator den 8. Wary & И. Frith. .
Culminationddauer ber Sonne 2 10” Sterngeit,
	Witterungsbeobadiungen ju Leipzig.
	  Barometer in parifer
	1864
Sebruar.

 

  Эней. auf 0° rebucirt.
8 Ubr ia reer   4 Vbr
frith   mittag  

 

  пафщ.   friih

Thermometer nad Reaumur

8 br   13 Uhr   4 Ubr
ii [аа ее

 
	330,27
330,30
333,59
331,81
333,56
333,24
332,26

329,13
331,35
332,89
332,23
333,73
332,97
332,33

327,95
339,26
331,98
332,16
333,56
339,76
332,01

+1

+

Ono
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	He Sandoflretdher ЭХотшецене.

Stach) den im Anuftrage her finial. i =
4 reifen and Beigten Не ея и п
Die fo ternigen und in ihrer Wahrheit wol nidt yu itber-
treffenden Charatterzeinungen bes norwegifdjen Bolted von
Bjornftierne Bisrnjon lenften die Wugen vieler Lefer wieder auf
bie Betwohner deF meerumfpiilten Felfenlandes. Wol wird fic
jedermann felbft fagen, dab nicjt auf allen Bergen und in allen
Thalern Wit-Noriwegs Bauern wohnen wie Samund und Thorn:
bjorn, wie Sngrid und die Liebliche Sonny, oder wie die dlteren
Befannten des (efenden Publifums, der Ciftein Biirn de3 Hein:
rid Steffens und wie jener Bauer, der feinen Herricher, den vier:
zebnten Rarl Johann der Schweden, mit den ftolzen Worten Бег
griipte: ,,Bivar rollt fein KonigSblut in deinen Wdern, wie in
ben meinen, aber fcjreite dennody al8 gern gefehener Gaft iiber
bie Schwelle meines Haufes.“ Dah aber neben dem in feiner
grofen Dtehrzabl jo liebensiwiirdigen febhaften Bolte Norivegen3
liber bie Sjelben und durch die didjten Walder ein nomadifiren:
de8 Bolk noch heutgutage hine und herzieht, von denen wenige au
wiffen glauben, toobher eS ftammt — und diefe wenigen faft in fo
viel Meinungen getheilt als fie Kipfe ,ablen — das twird vielen
gang neu und unbefannt fein.

Diifter ift das Anfehen diefeS Wandervolkes. Wol {аб es
einft beffere Tage, in denen e8 Heiter und froh war und mit leich-
tem Sinn den fdjwierigen Pfad deS Lebens befdhritt; jest aber
fceint 8 ein alted und miides Gejdjledt, und tiber feine eigenen
Grinnerungen legte fic) ein fo didhter Scleier, dab e8 felbft nicht
mehr im Stande ijt, eine geniigende, gujammenhangende Grila-
rung feines Uriprungs, fetnes Strebens und des Bivecled feiner
rafilojen Wanderungen yu geben. Lafter und Verbreden entitell:
ten fein Untlik und berivifdten die Bilge, gwar nicht ber Unmuth,
bod) der Wehtung gebietenden Sdhinbheit, die von Geiftesreinhett
und einem ebeln Dtuthe zeugt und die fonft barauf geherrfdjt ha:
ben migen. @©8 hat fid) tiberlebt und das heimatloje, umber:
irrende Dajein fcheint thm nur gefriftet, um cin warnendes Bild
eS tiefften Clendes aufzuftellen, in twelcdes der Menjdh verjinfen
Кии. Banter oder Fanten nennt das febhafte norwegifde
Golk diejed in einjelnen Scharen herumfdjweifende Gefdlecht.
Stohen dieje, von Frauen und Kindern auf ihren Reifen beglei:
tet, aufeinanber, erhebt fic) meift ein wiifter Larm, der in thren
Geelen wohnende Unfriede flammt hell auf und fie beginnen anf:
einanbder Lo8guldlagen. Mit Stangen und Striden eilen die
Manner aus den benadbarten Wobnfiten herbet, um die Kame
pfenden gu trennen und fie mit meift faum geringerer Robeit und
felbft argen Mishandlungen einjufangen, weil e$ ja dod nur
pwanten” find. ;

Wer find nun aber diefe Fanten, tooher ftammen fie? Died
ift eine ber von ber Wiffenfehaft und dem BolfBglauben nod un:
geliften Fragen. Gn Analogie mit den in Siitland herunyiehen:
den Gandfireidern, dort ,, Rjeltringer’’ genannt und der Webn:
lichteit be3 Wortllanges halber yu den Reften der Ureinwohner,
per Relten, geftempelt, macht man fie auch hier gu einem Refte
per finni{djen Ureinivohnerfdjaft Rocwegen8. Die fritheften Cr:
wahnungen fhilbern fdjon bad grope Glend, in dem diefe umber:
fdweifenden Fanten lebten und den BWiderivillen, deffen Gegen-
ftand fie iberall waren. Der Name, der ihnen beigelegt wurde,
ift unbedingt fein urfpritnglider Bolksname, fordern ein ger:
manifdes uno nordifdjes Wort, deffen Bedeutung im Laufe der
Reiten bielfach gednbdert, von ben damit Belegten geitweife einen
Hohnenden und befdimpfenden, 1a entehrenben Beigefdmad ent:
lich, daher al8 Sthimpfivort hanfig da3 Signal yu _blutigen
Sehlagereien wurde, bis e3 endlidj wiebderum fo haufig ange:
wendet worden, dak eB jekt viel von feiner Kraft berloren hat
und nun oft ohne Unftof als feherzende Wnipradje unter den be:
ften Freunden gebraucht wird. Wnbdererfeits ‘ift der Musdrud ein
Sered: und Deobhivort fiir ungesogene jdjreiende Kinder gewor-
den und der Ammenruf: ,,Still oder ber Fant holt didi!’ geht
purd) da8 ganze Felfenland. . :

Gin nothwendige3 und entfdheidendes Kennjeiden eines Fan-
ten ift eB, bab er, anderen Reifenden bierin undhnlid), ohne
Zwed und ohne beftimmte Ridjtung umbergieht, feine wirklidje
Heimat hat, die ex verlaffer tann wd in dte er zuvitdfehrt.] Cine
	thres Gefdjledjtes wubten. Wnodere, denen dte echte Fantennatur
auf bie urfpriinglichfte und charalteriftifdjfte Weife ausgepragt
war, firdubten fich auf ba8 Geftimmtefte den Namen Santen fiir
fic) anguerfennen. Gie iwollten ,,Retfende” heifen, was nach
dent in der Bolk3fprache untergelegten Sinne gleidbedeutend mit
p,vornehme Leute’ ift. Ste behaupteten jedergeit in widhtigen
Gefchaften , die fie fid) ftets berett geiqten dem Fragenden [dnell
anjzugeben, tweitliufigqe und foftfpielige Reifen gu unternehmen.
Bre ausgeitbten Gewerbe fudjten fie auc) durd) vornehmere
Bezeidhnungen зи veredeln und verivandelten den Pferdefdnetder
in einen Rofarzt, den Keffelflider in Kupferfdmied u. f. w., und
beanfpruditen unter allen Umftinden den Titel ,,Profelfionift’’.

Sm gamen lieben fie eine getwiffe Vorficht und Buriidhaltung
fpitven,, die nit gerade inumer al8 Weuherung der Furcht ober
de8 hifen Gewiffens aufgufaffenr war, fondern auf das Bor:
hanbdenfein eine oder de8 andern in ihren Wugen widtigen Ge-
heimniffes hindeutete. Bhr mumtere3, rafdes und mitunter feines
Wefen und ihre oft guten Gefichtsgiige, fowie bas Wuffallende
in dein Gifer, fic) jene prablenden Titel anguetgnen, legten die
Verfuchung nabe, fie fitr Leute aus einem beffern Stande als
den des gewshnlichen Urbeiters und Volkes gu halten; jedenfalls
erfannte Gilert Sundi, dba er nicht nur cin durdhtriebenes Diebs-
gefindel, fondern auch ein mbftifdjes Bolk vor fic hatte. Nach:
dent er fich in foldhe Gunft bet ihnen yu feben getwubt, dak fte
ibm fein Bertrauen yurtidgaben und alles gehetmnifoolle Wefen
fabren lieben, geftanbden fie ifm ein, dab fie fic) untereinander
night ,,Reijende” nennen, fondern dies nur den auber ihrem
Berbande ftehenden Bolke gegeniiber thaten, und unter fid ben
gegenfeitigen Crfenmungsnamen , Vandringer” fiihren; ein Wort,
das fdjon durch feine unorbdentliche, felbftqebtlbete Borm (ftatt
e8 grammatifalifdjen ,, Vandringsmand” [Wandrer]) recht far
bas unter thnen herrfdende Betwuptfetn ausdriidt, dak fie nur
{heinbar fics dem noriwegifden Volfe xuvechne, mit Seib und
GSeele aber einer andern Kafte angehiren, von der fie ftolg fagen:
» Unfer Bolt”, Diejes Bewupifein grindeten fie vorsugsweife
auf den jehr welentliden Bug, dab fte mitetnander in einer cige:
nen geheimen Sprache zu reden verftehen.

pote ,,gantenfprade’ laft fid) nun thatfidlid fojon bet
pberflacdlicber Betrachtung als fetne erfundene, felbftgebildete
Diebsiprache erfennen, und fleibige Nachforfchungen lieben er-
ftaunen8wertherwetfe bet diefen rohen und uniwijfenden Rindern
ber Landftrafen Norwegens, in deren Munde man nur den grbb-
ften ffandinavijden Pobeldtalelt yu finden erwartete, Clemente
des Deutfdhen, Frangdfildhen, Stalienifdjen und Romanifden,
Rateinifden und Griedifdjen, Lappifden und Finnifden, des
УМ ей und der anderen flawifdhen Spracjen, felbft — und
diefes gerade in grifter Menge — des Andifden und Hindufta:
фен, имо svar nidt der gegenwirtiqen Sprache Sndiens, fon:
dern deren alter ehriwiirdiger Mutterzunge, её betwundertern
Sanskrits, und daneben eines TheilS vielleidht noch fernerer und
unbefannterer Redetveifen 3u finden. Uebvigen3 haben fich itber
diefe Sprache und tiber die Herfunft deB fte redenden Gefdlechta
gang beftimmte Meinungen und Gagen in hemjelben ausgebildet
und erhalten.

Querft wiffen faft alle Santen einen Unter[died swifden siei
grunbdverfdiedenen Stémmen ihrer jebigen Genoffenfdaft mit
aivet verfdhiedbenen Sprachen yu machen. Wilerdings verfdinand
diefer Unter[died taglidh mehr, doch exiftict nod) immer dad
pollfte Bewubtfein von der urfpriingliden Verfdiedenheit. So
gibt e8 eingelne Fantenfamilien, die fic, nidt etwa zufallig, fon:
dern nach ber Wusfage ihrer Genoffen, infolge einer fremben
Herkunft, durch eigene Geftehtastige auszeichnen und eine borgzugs-
tweife bunfle Farbung, oltvenfarbige, gelbbraune Gaut und
{hwarge Haare und Wugen, furgum wirklich ortentalifche Gefichter
und ein frembartiges, in den norwegifden Diftricten ББ auf:
fallendes Wefen haben. Die Fanten dtefer Raffe wollen fich gern
al8 vornehmer, ihrer Begeidnung ‘nad al8 ,,Grofpwandringer”
geltend machen, deren ehrendes Renngetdhen e8 fein foll, daf fie
die Gelegenhett, fid) durch fleine Diebereten yu beretchern, mit
Verachtung von der Hand weijen, wenn fejon fie fid) nicht faa:
men, im Bferdehandel oder bet der Wusiibung ihrer vorgeblicen
Arzneifunft und Wahrjagergabe eintraglide Betriigereien in An:
wendumtg xu bringen. Berner giehen fie mit Pferden und Wagen,
bie Peitidhe in der Hand, ben Hund zur Seite, wie fie felbft fic
fehmeidelnd fagen, , nach groper Leute Art, fdjeltend und fcjim-
pfend’, von dem einen Ende bes Landes, bie Grenje heritber und
hiniiber, au dem anbdern. Sie fehen hibnend auf die Fanten des
anbern Stammes, die lidhteren, weniger frembartiqen Phy-
fiognomien, die ,,Rleinivandringer”, herab. Diefe find ein et
was weniger fredjeds, fid) herumtretbendes Volk, das mit ver:
{ojiedenen Heinen Gefchaftiqungen, wie Rammadherei, Gefen:
binderet u. f. w., in einjelnen Diftricten ober mindeftens nur
Hleineren Dheilen bes Landes Hine und hergteht. Cine noch eine
Stufe tiefer ftehende Klaffe diefer Kletniwandringer, welche ge:
wshnlich mit bem Gade auf dem Rticen arm und elend von
Hof su Hof fehleicdht, und fich an dem gentigen lapt, was ihr die
Gutmiithigheit der fefhaften Leute an Mehl und Kichenabfall
fejenft, nennen bie Groffanten hdhnend und veridtlid) ,,Mel-
traverne” ober bie Mehltraber (bon Mel, Mtehl, und trave, tra:
ben, trotten), ebenfo tool de3 Biwe’S threr fletnen Wanbderungen
halber, al8 im fcharfen und begzetchnenden Wike ausgedritdt, twe-
gen ihres Hanges sum fleinen Diebjtaht, dex fie nirgend fort:
fommen lapt, ohne daft thnen ,,ctioad hangen bleibt”, wie fidh
dem Miller bas Mehl an die Gace heftet. Die Kleinwandringer
und Mebhliraber vergelten bas Schimpfwort jener fo gut fte 3
bermigen, wabrend Пе fic) fonft unter ben euten der unteren
Bolksfdhichten stentlich zahm bewegen. Mit mehr Neid als Wh-
feu die flinfen Gropwandringer betrachiend, nennen fie dite
felben ,,twilbe Bachefpringer’, d. h. nach ihrer eigenen Deutung
Wilde, die mit ihrem hetmtiidifden und menfdenfdeuen Wejen
am liebften oben in den abgelegenen Gebirgen und Wildern, ей
von den fefhaften Ceuten, batten bleiben und fic) burd) veradht-
liden Fijhfang in Sltiffen und Baden nabren follen: oder fie
begeichnen fte aud) al8 eine bbsartige ,, Quackfalberfdar von
Bauberern und Hexen’, die mit ihren Wurzeln, Krauteen und
giftigen Pulvern fowol da8 Vieh wie die Menfdjen verderben.

Der Grund yu diefem fonbderbaren Stammbaf liegt eben in
dem Bewubifein der Grofivandringer , ba fte ebenfo wenig bon
norwegifdent Blute ftammen als gu einem Gefchlechte mit den
von ihnen tief veradjteten Lallardern — wie fie in ihrer eigenen
Sprache die Finnen oder Lappen nennen — gehdren. Ruffifder
Ubftammung find fie ja aud) nicht und wollen 3 auch ebenfo
wenig fein, objdjon fid), wie fie wol gang ridjtig bemerfen, aus
jener Seit, in welder fic ihr Stamm auf der Durchreife in Ruf:
land antfgehalten hat, etngelne ruffifde Wirter in ihrer Sprache
erhalten haben. Qu ihrer eigenen Sprache, bem Romanni, lautet
iby redjter Name ,,Romanisael”, den fie auch in Romannier
pereinfaden und ibm die Bedeutung ,,von twe t herge*ornen,