Beug, das die Lente fidh епцефееи, Der Bau ging trobbem immer weiter, wd
al8 endlid) die evfte Lofomotive heranbraufte und die ganze Stadt hinaustief, unt
pas uene Wunder зи feben, ba verladjte und verfludte ber alte Choriwart die
ganze Welt. Und 126 fam bas Unerwartete. Unfer Sebliiffelbart rwourde zur
Rube gelest, denn Pflaftergeld unb Stabdtgoll wurden abgefdhafft. Seber Wagen,
der vorither fubr, ging ihm durd) bie Seele; ev dantte niemand mehr, der ibn
gritfite, ex wollte feinen Grug, wo er nidjts mehr zu befeblen hatte. Das abe
gelebte Shorwarthaus wurbe von der Stadt anberweit vermiethet und auf feine
tester Tage mufte unfer Sehliiffelbart gar nod) ausjiehen, Er blieb aber nidjt
Lange in der nenen Wohuung. Nod) in fetuen legten Lage feherzte er oft: er
woolle bod) feben, ob dev altefte Thorwart, der bheifige Petrus am Himmelsthor,
nod) bei feinem Amte gelaffen fet, ode ob auch dort Wes ungefragt eine und
ang{pagterte. .

Das war der alte Thorwart, unb fo wenig e8 mehr abgefdloffene Ziinfte
und Gtinde geben wird — was Manche wiederum wiknfden — fo wenig wird
man mehr Thucmthore an den Gingang dev Stadte hanen finnen. Die gufam-
mengeftellten Wohnungen ber Mtenfden haben jest frete Wus- unb Cingiinge ins
Peite, und dev alte Sehlliffelbart, dev fie wieder in ein Thor einfehliefe, iff —
абдебуюфеи.

Зи ver gweiten Rubrif des Suhaltes, welche wir als ,, Gedan-
fen bezeichnet haben, die irgend einen theovetifden oder praftifchen
Gegenftand der Lebensweife oder der Lebensanfcjauung in furzen
Biigen befprechen, ift gunddhft die bedentende Mtannigfaltigfeit, der
wabrhafte, inneve Reichthum wobhlthuend und befriedigend. Nicht,
bag oft fehy feine und anjprechende poetifde Motive gur Cinflei-
dung dienen, wollen tir befonders hervorheben; die eigentlicke Wudht
perfelben Liegt nicht in der gewinnenden Schsnheit, fondern in der
gwingenden Wahrheit. Ueber alles erfreulich aber ift bas gewalltige,
fraftige, reine und innige Pathos fiir wahre Humanitat, fiir bitrger-
Yiche Tugend und Titchtigheit jeglidher Wet, fitr nationale Ehre und
fiir Ginheit der Mation. Da® hier von feiner hohlen Phrafeologie,
von feiner fittlichen Gefiihlafelighit, auch von feinen abftratten
Theoricen die Rede ft, wird jeder vont Berf. vorweg ertwarten.
Dies hewerft fic) auch am befien davan, dag e8 immer ganz be-
ftimmie, fontrete Lebensverhiltniffe find, worliber der Wutor feinen
Spruch erhebt. Der ganze gweite Theil, alfo die Halfte des Buches,
ИЕ dent Gevattersniann entlebut, ftammt alfo ans der Zeit vor 1848;
parin ИЕ дах vieles vom politifdhen Belehrungen und Anregungen;
aber faum ift ein Wort davin veraltet; dies beweift zur Genitge,
pag die politifce Unficht des Berf.’s uicdts von doftrindven Prin-
‘gipien und noch weniger von demofratifden Konfequengereien enthalt,
Daw fie vielmehy auf_ den Geift und die Sache bitrgerlicer Эль
gend, welde unter allen Gerhaliniffen gleid) fehr von der lester
fittlidhen Gefinnung abhingt, eingeht und eindringt. Collen wir die
Ouelle, woraus diefe Gedanten flieBen, und bas Ziel, wonadh fie
in vem Refer ftveben, mit Cinem Worte bezeicinen, fo ift ee Ge-
fundheit, Gefundheit der Cinfidt, des Gemiithes, der Gefinnung.
Gegen Biererei, Verfeineriug, Verkehriheit, vor Whem und am ofte-
ftew, immer frifd) und frajtig gegen Tragheit fchwingt er die
Geifel ver Sathre; den Abel der Arbeit an’s Licht gu ftellen, ift das
edle, unablaffige Bemithen feiner Feder.

Unferen Gefern eine Probe gu geben von der Art und BWeife
per Belehrung, weldje hier geboten wird, heben wir einen folden
брони Yeraus. ©. 198:

. G8 ift etwas Wrahres dran.

Das ift die woblfeilfte und halbjinnigfte aller landfaufigen Redensarten, die
eine innerve Faulheit befunden. Und wieder ift e8 die Citelfeit und Serfahrenheit,
bie fte in Umlanf gefest hat. Du fommft mit einem Menfcfer gufammen, der
ganz one Ginficht unb ohne vidhtige Wnficht einer beftimmten Gache if. Du
febeft thm alles auseinander und machft ihm die Augen anf, wb er — was
fagt ev gulegt? ,,Gs ift Erwas Wahres dvan, an dem was Sie fagen.” Gr
foun und wird dir nit fagen, worin diefe Stitchwahrbeit beftehes ex glaubt gee
nitg дебан зи baben mit diefer boflic), gunidenden Rebensart.

 
	Solde Meewjden find tener Crisjung mehr fabig und des Beften verluftig
was e8 geben fann anf der Welt: durch ein neues Wort, dur einen neuen
Sedanten, der in die Seele geht, eine neue Beleburig gu gewinnen.

Die Menfden, weldye die obengenannte Redensart im Mtunde filbren, wo
fle andddjtige Zuftimmung gu erfennen geben jollten, viele Menfdien wilrden eine
neue Offenbarung, die ihnen verfiinbdet wiirde, mit dem anmuthigen freundliden
Buladheln begriifen: E8 ift etwas Wahres bran!

Lah did) von diefem Godmuths- und Faulheitstenfel nidt beritden und dr
wirft feb, e&-giebt feine griftere Greube als die: fid) von einem Mitmenfdhen
eine ecdhte und redjte Wahrheit vollauf umb gang geben ju laffen. €8 ift eine
neue Belebung, iiber den abgeftandenen Srethum hiniiber gur Wahrheit gu Тот»
ment. Wenn ein frifdhes Fah angeftoden ift, merft лиан еб redt, wie well
und abgeftanden bas bom alten war, umd das neue munbdet um fo beffer.

Nicht alle Gedanfen Halten fich auf diefer Hohe und Allgemein-
Heit; viele gehen in das Cingelleben des Biirgers, Bauers, befonders
des Handwerkers ein. — G8 find mancerlei Gaben, aber aus Ci-
пеш Фе. Эа рав Зи nicht blog viele, fondern folche Lefer
finden, die eben feine grifere Sreubde fennen, al8 einen wahren Ge-
dante von ihrem Mtitmenfcyen gu erhalten und — ihn dann зи
bethitigen. Der Berf. diefes Buches arf fagen, ,,gedichte jeder
wie id, e8 ftinbe die Macht auf wider die Macht und wir erfren-
ten uns Wlle des Friedens’; die Macht dev Wahrheit und des Gu-
ten gegen die Dtacdt der Liige und des Sdheines, die Mtacht dev
viiftig ftvebenden Thatkraft gegen die Mtadkt der Tragheit und Laj-
figfeit, und wir erfreuten uns Wlfe deS inneren fittlichen Friedens
	und der duferen Зеплерщииц.
	Зи Зеаде von F. W. BrocEhans iw Leipzig, evichten jo eben und ft
burd alle Buchbanbdlungen 3 Белебей:
	awifdhen den ФЗехищен 068 С\либеи8 und Unglaubens.
Mit einer Zueignintg an Profeffor Marl Vogt.
Gon Wilhelm @фи[; : Bodmer.
$. Geh. 1 The.

Ein neuer Hhsdhft intereffanter Beitrag yu dem Vogt-AWagner iden Streite,
eine bumoriftifd) gebaltene Sdrift, die WUnfprud darauf bat, von When gelefen
sit werben, welde die Sdhrifter von Vogt, VBiduer, Schaller, Franenfidde
и. }. м. Fenner.
	Go eben ervfchtenen in zwetter permehrter Wuflage:
	Gedidte von 29. Gtorm.
Min. Format. Geh. 1 Thir., eleg. geb. 1s Thr.

Der groke und tief innige Anklang, den Th. Storms Gebdidhte bet dem
reiferert unb ernfteren Theil bes Publifms gefunden haben, beweift, аб diefer
Dichter eine Saite heriiprt hat, deven Ton, ш vielen Gemiithern fdlummernd,
wohl nie von einer funbdigeren und jarter organifirten Hand gewedt rwurhe.
Эно ein Ssuger des Friihlings, ber Iugend und ves Giiids, wie die grofe
Schaar der Poeten, ivitt er uns entgegen, fonbern ber Didter bes Herbftes, der
Вей, „мо uns verlagt die Jugend eben,” der Refignation. Das unerbittlidje
Фев alles Lebens hat fic) an den beranfdhenden Entjitdungen feines Mtai’s
und feiner Giebe evfiillt; Our wie oom jenem filbernen Herbftesduft umfdpleiert
und gart verfldrt, ben Keiner beffer gu malen, weil gu empfiarden weif, Mpt ev
wns jene Bilder der alten Wonne” evfdheinen. Aber wenn ev ikberwaltigt vom
Gefiihl ves Berlorenen in ber Erienninif{ jenes unabwendbaren Geleges ,mit
{dhinerglich bangender Begier” fein legtes Gliic umfaGt, fo rettet ex fic bald
barauf durch einen Blid im die ewige Shine ber Matur und im die Augen
feiner Rinber, woraus, wie ,ber geliebten Heimath Butunjt,” fo auc die
Gewiphett von der Unverwwiifilidleit bes Gliides, der Sdhinheit und bes Lebens
ihm Био entgegen fivahlt. — Die grofje Gemeinde der Dinner, die mit
wehmiithigem Ladelu und verfengtem Fittig dent ftitrmijeen Gonnenfluge pes
immer new erzeugterr Sfarus jufdauen, und edler Frauen, welde die menfdj-
lidhen Dinge fennen, gelebt und geliebt haben, — wird immer aud) die unferes
Dichters fein. Diefe vor Wllen miogen das Buch fetner Lieber zur Hand
nehmen; e8 wird ihnen die granen Tage wenigftens ,vergolben ja vergolben!”

Verlag von Heinridd Sehindfer in Berlin,
	Verlag von Heinrid) Schindler in Berlin. — Oren von Cromibfd) und Sohn in Berfin.