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	Hentfhen Ruanfthlattes.
			1356.
	Сира: Sur Schillerliteratur, Schiller unb Lotte. 1788, 1789. Briefe von SGechiller’s Gattin an einen vertrauter Freund. Herausgeqeben von Heinrid
	Dtinger. — Dre Lehre von den Formen unb Gattungen ter bentlden Didtfunft. Bon Dr. Ernft Rleinpaul. — Beitfdhrift f. beuthde Kulturgeldichte.
		Schiller und Lotte. 1788, 1789, Stutigart und Augsburg, 5. G. Cotta-
jder Berlag. 1856.
	Brtefe vot ФфШег$ Фи аи ешен vertranten Freund. Her-
ausgegebert von Heinrid) Diinber. Leipzig, F. W. Brodhaus, 1856.

Benn man frither gewohnt war — ganz im Gegenfak yu der
bingraphijdhen Behandlung Goethe s — den mitftrebenden Shiller
auger dem Berhaltnif gu feiner weiblicjen Umgebung gx betrachten,
eben nur deshalh, weil feine Dichtungen in weit geringerem Grade
auf folde Lebens- und Herzensbheziehungen hindeuten, fo hat man
Dagegen in nenefter Zeit auch diefe Seite feines Lebens in ein helle-
res Licht gu feken angefangen. Wir verweifen namentlich auf Boas’
ausfithrliche fritifche Darftellung feiner Heimatjahre und die Mtit-
theilungen itber Charlotte von Ralb, welche in den WAbhandlungen
von Brug und Schaefer (im deutfden Ntujeum) gu einer vichtigeren
Witrdiguug Schiller’s in dem wichtigften Stadium feiner Entwid-
Tungsgefdichte gebithrend benugt worden find.

Die Publifationen der legten Beit, mele fiir die Schiller-
Kiteratur eine reiche Wusbeute gewahren (wir erinnern nuv beilaufig
neben den obengenannten Brieffammlungen an die neue vervollftan-
bigte Uusgabe feines Briefwedfels mit Gvethe und den authentifden
Aboru€ des alteften Xenien-Mtanuferipts), haben befonders dazu ge-
dient, von feiner wacern Lebensgefihrtin Charlotte von Lenge-
feld uns ein wabrheitégetrenes Bild gu geben; gleichzeitig find
» Schiller und Lotte, 1788. 1789 , b. В. thy менее vor ihrer
Gerheivathung, und ,, Briefe von Schiller’s Gattin an einen Freund”
erfchienen, beides Lebendige Beugen von ihrer geiftigen Individualitat,
fo wie von ihren Beziehungen gu Schiller und dem шения Иен
Kreife von Freunden und Freundinnen. Die in erfter Stelle ge-
nannte Sammlung evfiillt {Фон hinlinglid) den Zwed, den der Her-
ausgeber der gweiten Sammlung beabfidhtigte, ,,da8 Bild der edlen
Gattin Sdiller’s  uns vorvgufithren. Es entfpridt diefem Bilde,
das fic) dem Lefer ihrer Briefe einpragt, bas dem Buche voran-
geftellte Portrait; e8 find finnige, gemiithvolle, einnehmende Ziige,
mehr anmuthige, als fine Formen.

Sdiller hatte nach der Vollendung bes Don Carlos auf den
ии der Frau von Kalb feinen Wobhnfig nach Weimar verlegt,
wo ihm das Leben bald ,,fehr einfam und frendenlos” erfchien, da
ex fic) mehr und mehr von den gefellfchaftlichen Begiehungen, dic
ihm nicht behagten, Logmadte und fich auf fein UAvbeitezimmer bee
{hranfte, dabei nicht gehoben durch) das Gefithl eines frifchen poe:
tijden Shaffens. Frau von Wokogen, deren Gaftfrenndfaaft er
bereits frither gu Bauerbach bei Meiningen genoffen hatte, (ud ihn
gu einem Befuche eit. Die Riidreife von Meiningen machte ev in
Sefelifhhaft ihres Sohnes Wilhelm von Wolzogen, durch dew er in
Rudolftadt in die Lengefelo’ fche Familie eingefitrt ward. Hier fab

Siteratur Blatt.
	er Charlotte und ihre geiftvollere Ochwefter Caroline, welche, bamals
mit bem Hofrath von Beulwig verheivathet, Трех Wolzogen’s
Gattin merden follte. Gr gefiel fic fehr in diefer Familte und
fprach gum Ubfdied den Wunfd aus, den nadfter Sommer in rev
Nahe gu verleben. Mod) wabhrend 2е8 Winters fah er Charlotten
in Weimtar wieder. Cr fandte ihr Bitcher fiir ihre Lelktiire; mehr-
mals wurden den Biichern Heineve und grogere Billets beigelegt.
Gegen die Beit ihrer Whreife wiinfchte Charlotte von ihm ein Stamm-
bucheblatt gu haben; er fandte Шт das Gebicht, dads, etwas ver-
fhinert, unter ber Uuffdprift ,,Giner Freundin ins Stammbuch  in
ber Sammlung feiner Gedichte eine Stelle gefunden hat; ein Face
fimile diefes gierlid) gefehriebenen Gluttdhens ijt der Brieffammlung,
pie Hiermit erdffnet wird, beigegeben. Da der Subalt, befonders
bie Zeilen:

HBroh taumelft Ou im fiigen Uchergihlen

Der Blumen, die um Deine Pfade blithu,

Der Giitdliden, die Ou gemadt, der Seelen,

Die Du gewonnen haft, dahin’ —
nicht gu Charlottens ernftem Wejen gu paffen fcjeinen, fo stveifelter
bisher mehrere Biographen Sdhillers an der Begiehung yu Char-
lotten; Schaefer glaubte fie auf Caroline Gdymidt, die Todjter des
Geheimraths Schmidt gu Weimar, der ber Dichter gu derjelben Beit
eine warmempfundene Widmungsftrophe in ein Exemplar bes Don
Carlos fchrieh, begiehen gu miiffen, was jebt fetne Berichtigung
findet. Daf fehon damals, als Sdiller noc an Korner fehrieb, ev
бе fiir die Lengefeld mur eine herglicje verniinftige Freundfchaft
und habe feine Empfindungen auf mehrere vertheilt, ein ernfterer
Gedante an die Bufunft feiner Meigung in ihm Lebendig ward, be-
weift feine Aeuferung gegen vie Greundin: 7 affer Sie das fleine
Gamenforn nur aufgehen; wenn die Frishlingsfonne фото Те,
fo wollen wir jdjon fehen, welce Blume daraus werden wird.”
Gr gefteht ihr bald nach der Trennung, da, feitdem fie Weimar
perfaffen habe, die Grinnerung an fie feine Tiebjte Gefellfchaft ge-
wefen fet.

Im Friihling 1788 30g Schiller nach Volfftadt bet Rudolftadt,
wo Charlotte fiir ihn eine angenehme Wohnung ausgefucht hatte.
Tags itber mit feinen {chriftftellerifdjen WAvbeiten befchaftigt, unter
penen dev Geifterfeher und die Gefchichte des Wbfalls der MNieder-
lande bie exfte Stelle einnahmen, fiihlte er fic) am Whend gu dem
Kreije dex geliebten Familie hingezogen, theilte das Sertiggewordene
mit, [a8 mit den biloungsbegierigen Schweftern Ueberfegungen dev
Dichter de8 Ulterthums, Homer und Me Tragifer, denen der Dichs
ter erft jegt naher trat; crnfte Gefpriche, die hiufig die hochften
Probleme des Denkens beriifrten, belebten den geiftiger Verkehr; fie
waren ,,einander nothwendig geworden.  Diefen ernfter, philofophi-
{chen Chavafter tragt auch per Briefmedfel, der febr lebhaft gefithrt
wurde, als Sdhiller fic) getrennt hatte und ben ABinter wiederumt