Weniger geeignet erfdhetut derfelbe Genelli fde Chypus fiiv die
Dimonen der Dante’fchen Halle. Diefe edlen, freigefchwungenerr
Sormen enthehren hier doch alljufehr des Characteriftifchen, und das
nicht weniger, fonder nur unt fo mehr, wenn fie G. B. ant Pechpfuhh
mit pardelfdpfigen ober dracenbefdhweiften Halbthieren abtwechfelt.
Wir glauben nicht оби breif gu fein, wenn wir itherhaupt fitr
Dante’s mbftifden Ernft die ippig-finnlide Phantafie Genelli’s nicht
ebeit fiir ben geeiguetften Begleiter halten. Was eine andere tiichtige
ое ее Яо, der alte Rod, ein Langes Leben hindurd nach Dante
entworfen, liegt befanntfich immer noch in den Mappen feines Cidames,
und wir fuchten vergeblic) nach Semtand, ber eS gefehen; itber
bas frither in der Villa Mtaffimi Gemalte {aute die Urtheile ver-
{chieden.

— Gine mannigfaltize Reihe von Tenfeln, dev Bielfeitigfeit
des Meifters cutfprechend, hat ferner Raulbach geliefert, vow den
fahlhduptigen, fcblangenbefringten BVerfolgern Whasver’s, bts gu dent
fchier alljuniedlichen Tenfeldhen im Wrabestenfries, das dent thronen-
den Gsthefnaben feime Neverenz macht; — der originell{te da-
runter vielleicht cin Hillifher Paladin mit Hhunnifcher Stachelgeifel
und gebirntent Ammonshelm, den St. Georgs Lanze vom baiumen-
den Эшыюиии herabfticht, — per geiftretdfte gewif ei danto-
nifcher Critifus, ber dem Hervn bet der Menfdenfdhspfung gufteht*).
Und beinahe hatter wir jenen Mephifto der Ghierfabel mitgesahtt,
wie er dem Pfaffen das Hubhu ftiehlt, de gaghaften Lampe vor No-
bels Throu guntr Zeugewt anvuft.

Забей wir bis hieher die moderne Beredhtigung unfereds Stoffes
hiureichend mit fo glangenden Namen befiegelt, und founten uns darunt
nicht immer cin Kingeres Verweilen bet dem Cinjzelnen verfagen, fo
miliffen wir jest, von Fille ded Stoffs, wie vom nahenden Sdlug ge-
bringt, in fehnellerent Buge die bunte Reihe der ithrigen Erfdhei-
nungen voritbergeben Laffer, ob auch noc) manches verehrte und
rubmbelrangte Haupt barunter auftaucht Boran, unfrem MWusqangs-
рии gemap, ein und ber andere Sllujtrator des Fauft, von denen
un8 dod) bev alte, einft hochbelobte, jet cher unterfdibte Metf ch **)
trog feines flaymannijd)-niasferbaften Mephiftopheles und feiner
iiberhaubt etwas theatralifden Weife ei ganz Theil Lieber ift, als
fein jiingfter Nachfahrer (Seyberg). IMadhft diefen cyclifden Dar-
ftellern, Hat fic) vielfac) die deutiche hiftorifche Runft an eingeluer
Geenen jeneS grofen mobdernen Vtenfchen= und Teufel-Drama’s
вери, und ahuliche Chre mit theilweis glicdliderm Crfolg ift
BDiirgers ,,wilbem Giger  von Kir dhoff bis auf Rudolph Henne-
berg wiederfabren. Wher nicht die Dichtung allein, fonder ge-
biihrendermafen auch) die heilige Ucherlieferung hat (auferhalb der
monumentalen Aufgaben) mehrfad gu damonifden Darftellungen
Mulak gegeben. Der Schnorr’ fen Bilderbibel nidit gu vergeffen,
haben wir einen bifen Feind, ver Untraut faet, von Metfter Over-
bed (Bleiftiftzeihuung) unb cinen desaleidhen in devfelben Situation
pon Steinbriicé (Glethnif vont Sdemann, Oelbild im Befig un-
	— am wenigfter ber Grundgedante, реп О дени als ein Werk bes
Зет, еше Herjensneigung als Eridfung oon demfelber darguftellen — als eben
Cines: bie SHhinheit.

*) Bwet Cartons unter Lebensgrife, her Lewtere einft im Berlin sffenttich
ausgeftellt, der Exrftere im Befits eines hicfigen Kunfifreundes. (SG. eine Bee
fdreibung. Sahrg. 1852. ©. 319.)

**) Arch gum , Sturm” Hat er in Prospero’s dimonijden Tafelbedterte
einige febv artige Ungethitmden erfinbden. Wn dtefer Stele aber fet uns wee
nigftens ber Raum einer Anmerfung fiir einen faft Vergeffnen vergiunt, der
wie mander brave Landsmann it — WAlmtanachahepfern untergehen mufte, und
peffern frudjthared umd Beweglides Talent cin beffres Sdhidfal verdient hatte, —
fily Ramberg. Mix haber befonders eingzelne feiner Slluftratiouen gum Fant,
Macketh (im Tafdhenbud Minerva) zum Freifdhiig, Bampyr u. W. (in der Ore
phea) im Auge, die vielleidt, nebft mehrecen einer allegorifeen Titelblatter, ant
meifien in ben Dimenfionen gegen mande gepricfene Darfiellungen nenern
Datums zuritdftebher.
	fie auf Miintaturen bes Vatican, uvalt-ortentaltfder Deutung gemag,
auf vier fclanten Fifer Durdhs Paradies wandelt, beinahe wie
eine Giraffe angufehu, und nach dem Fluch fich feltfam davon ab-
Lt, fortan ,Stoub ju freffen’; indeR rer Reft Leblos gufammen
fintt — wenn fie mit ihrer natilichen Erfcheinung felten gufrieden,
in ber Bibel Karl des Kahlen fic) wenigfters mit prunfendent
Sdarladhbaudh, und mit Kamm und Rehllappen des Hahns oder
Bafilisfen fcmitdt, fo nimmt fie fpater, ihrer Redegabe genrd§,
menfdlides WAntliy an, gurwetfen ein weiblicjes flix Adam, ett mime
liches fiir Eva, ja in ciner italienifcen Dtintatur der Barifer Gamm-
Tung fcbeint fie gar sweifipfig beiben Berfithrten die Larve des
entgegengefesten Gefdhledts guzufehren. Bald fiigt fie G. GB. bei
51%) gum Middentopf furze Cidechspfoten, bald menfdlide Hinde,
Arme und Bufen, und wenn Lucas von Lehden fie einmal wieder
gu_einer feltfamen fanggefchwingten Dachsgeftalt degradirt, fo ИЕ fie
dafity bet Michelangelo villig gum fohinen Wertbe, nur mit vingelu-
de Drachenfdwetfen ftatt ber Sdhenfel (Echiona ver griechifchen,
Ungerbode ver nordifehen Gage) geworden, und ber Kreis der Nte-
tamorphofen fdeint erfcspft — bis wir fie in jener Qunette Meifter
Peters als furdhtbar fine Фуше, halb Sungfrau, halb (owen
Hauigzes Ungethiim, gefabrdrohend und oviginell wie nirgends er-
Бен.

Wir haben, vow der alten Verfucherin nicht fowohl, als vow
Gang ourch die Schopfungen des groften modernen Ntalers verloctt,
fceinbar unferen MNittele und AWusgangspuntt, den Fauft, aus dem
Geficht verforen, aber er fallt uns gleich) wieder ing Ange, went
wir auf unferem Gebiet einen anderen grofen Lebenden, Bonaven-
tuva Genelli auffuden. Gxrfdeint body die ,,funge Here”, (wenn
nicht feine {chinfte, doch feine befanntefte Schipfung) geiftty gerabe-
hin wie eine ,natiirliche Cochter” bes gelehrten Doctors, den der
Riinftler an der Cataftrophe ihres Mabdcentebens (Blatt V.) fo
traurighlidend auf dem einhornigen Centauren vorbeiveiten (88; —
ia, iby Crfliver fteht nicht an, fie fein weibliches Gegenftiic gu nen-
ren. Silty uns aber hat fie und ihr Sdcidfal, auger viefem gleich-
fam genealogijden, nod) ein andere’, funfthiftovifdhes Sntereffe.
Wihrend, wie frither bemerft, die alten Teufelsmaler (faum der
Nekten der Reihe, Callot ausgenommen) bei aller fonftigen Entfef-
felung dec Phantafie die gefdlechtlide Seite bes Stoffes mit einer
getiffen Referve behandelu, ja bet Verfuchungsfcenen (3. B. des
Tenier’s) felbft das Chavacterijtifce parunter leiden laffen, tritt je
nes ebenberithrie, bhiftovif) allerdings in den mittelalterliden Wn-
fhauungen von Lenfeln und Hexen nur alguwohl begritndete Nto-
ment bet dem mobdernen Qeifter guerft und ploglich in einer bdret{ten
Nacihett hervor, die uns nur eben noch die lekte Grenglinie, das
— Phallifche exfpart, — und fo michte diefer eingige Cihne Sdhritt, der
immerhin ein Fort{dritt it, auc) fo giemlic) fchon ans Biel des
in diefer Richtung Mtsgliden und Erlaubten gefiihrt haben. Mag
man itbrigens itber feinen ethifehen Werth verfchiedener Meinung
fein, Der Grazie und Naturwiidfigkett der Ausfithrung wird auch der
{trengfte Mtoralift feine Bewunderung nicht verfagen finnen. Welch’
gefunde Lebensfitlle pulfirt in diefem armen jungen Teufelslichhen,
welch’ cir prichtiger Gefell ift dtefer unterweltliche Don Suan, zumal
im dolce far niente feines erften Uuftretens (Gl. 2.)! Wie um-
giebt if trop Rvallen und Fledermausfliigel, die ex auf allen, ja
troy ber Raubthierlippe, die er auf einigen Blattern zeigt, abdelnd
und verfShnend ein Hauch antifer Schinheit! *)

*) Wenn hingegen ber gefdaete Erlldrer (Dr. Herm. Ulric) Beit und Loe
cal bes ganjen Bilberfreifes ins Bordhriftlidhe jurticé dative Qwahrend fou ein
Blid anfs Coftitm das Gegentheil Leweifen fann), fo hat ev die’ wohl in der
guten WAbficht gethan, manches Bedenflide der ganjen Crfindung und befonders
die (wenigflens fity ana) nidt villig genilgende LSjung minder fahwer in die
Wage fallen gu laffen, би ИЕ denn bod wohl ай Зет Werk nights weiter