MENSCHEN




RICHARD FISCHER




Durchbruch


Regenflöre hangen von dem Himmel, der sich selbst verlor, Schwarze Bäume starren leer ins Leere von verstorbnem Land, Tötsein ist mein Schreiten, flügellos die abgeklungne Hand
Und mein Blick wie Gräber, hebt mit letztem Suchen er sich noch empor.
Oh! — Mein acherontisch Schreiten kann nicht weiter vor! Eine Fleischesflamme wirbelt berstend lohen Brand! Flügel lodern aufwärts Blut mir, Fuß ufid Hand,
Fülle hebt mich, und mein Schauen braust wie Chor!
Der ich Alles, Alles noch verlor,
Wie ich Alles, Alles wieder fand! —
Mädchen, halt’ zurück noch Rock und Hand —: O, wie glänzt das volle Leben wie ein runder Strom hervor, Losgebunden mit dem losgegangnen Schenkelband !


Nichtsein - Erlösung


Die dumpfen, stumpfen, kurzen, harten Rucke und Stöße
Der tausend immer flammenden Kanonen der nahen Welteneinsturz-Offensive Stampfen mir jedes Wort, jeden Gedanken, jedes Fühlen wie mit Eisenkolben
zurück in meine Tiefe, Nicht in die Tiefe — denn ich bin ganz flach — nur Oberfläche, Dürre,
Leere, Hohlheit, Oede, Blöße.
„Größe“, prahlt ihr, sei in alle dem? — Größe?! —
O, ich winde mich in letztem Schmerz wie ein Tier mit dem Schlächter
messer im Leib,
Das sterben soll und nicht sterben möchte —
Und daheim zerwindet sich nach mir zwischen Tod und Leben mein noch
nicht mir angetrautes Weib ! —
Ich fühle in alle dem nur das entsetzlich, ganz entsetzlich Böse, Das unaussprechlich, gräßlich, sinnlos, unausdenkbar, Schlechte, Und hebe, hebe machtlos meine Rechte,
Das langsam stumpfe Schlächtermesser mir aus der Seite und aus meiner
Seele zu zieh’n
Und aufzustehn und all dem zu entflieh’n Und alle, alle Menschen mitzuzieh’n
Aus dem blutigen Einsturz in das aufgerichtet selbstverständlich Lichte! O lautere Gesichte! —-----------


BUCHFOLGE NEUER KUNST




2. JAHRGANG




6., 13., 20., 27. APRIL 1919 (Ostern)




II. (33/36)