Sonntag


Nicht in der Sonne, im Grase zu liegen, Das kann wohl eine große Sünde sein.
Die Morgensonne hat sich ganz schon im Blauen verstiegen, Grashalme flimmern, lichtstill, die Schwalben fliegen,
Die Büsche im Flußtal quellen herauf und leuchten wie Wein.
Sonntag — aus Gottes eigner Hand
Du der Menschen Kindheits- und Feiergewand! — Aber drüben, da hör ich einen Unteroffizier fluchen und Schrein Er wirft den gedrängten Leuten verbrauchtes Drillzeug in die
immer leere Hand und sie möchten so gerne Gottes geputzte Sonntagskinder sein!


Über Nacht


O welch ein Riß ging durch die Welt! — Gespalten wankt’ ich,


Weiß ich nicht wohin.


Nicht Weg und Ziel war mehr, Abgründe, bodenlos.
Da warf der blinde Angstschrei meiner irr gewordnen Seele Mich hin zu dir.
Du nahmst mich auf, Ganz auf
ln Leib und Seel’,
Du Ganz-Gefügte du An Leib und Seel’,
Und teiltest dich mir aus An Leib und Seel, Du Ganze du,
Ganz aus an Leib an Seel’,
Die ganze, ganze hochgehobne Nacht,
An Leib und Seel’ ganz hochgehobne Nacht —
Daß, als am lichten Tag ich von dir ging, O sieh —:
War Weg auch Ziel!
Und Weg und Ziel war Sang Und Gang von Farben hin die Häuser lang von Fahnen, Häuser, aus Licht und Gold gebaut,
Und Menschen, die wie Strahl der Sonne waren, Wie Fahnen waren,
Die goldner Klang der Luft berauscht!
Alles war Eins —
Ein Gipfelweg der Sonne. All über Nacht,
O über unsrer Nacht,
Aus Goldabgründen hochgehobner Nacht!


JOMAR FÖRSTE




Nervenstation


Nie mehr so nah, wie wohl dein Atem reicht, War Liebe mir. — ln jenseitigen Gründen
Spiele ich Schach mit meinen vielen Sünden.
— Draußen gehn Wege. Zuckend, aufgeweicht.
Ob wohl ein Fremder mich im Dunkeln fände? Der Wald vertränt und eine Föhre geigt.
Der Mond läßt mich, unwirklich unerreicht, In Gärten ein, als ob er mich verstände.