Dekoration und Reklame (Juli) (№ 7)
Коллектив авторов01.07.1937

VERKAUFS


GUTE GESCHÄFTS-IDEEN Begründer: Komm.-Rat H. SCHWARZ


JOURNAL


SCHAUFENSTER • REKLAME
Herausgeber: ALBERT WALTER
39. Jahrgang
Juli 1937Heft 7
Die Verwendung unserer Anregungen, Bild-Vorlagen, Werbetafeln und sonstigen Ideen und Vorschläge ist nur unseren Abonnenten und nur für eigene Zwecke gestattet. Erkenne dich seihst!
Das ist das höchste und wichtigste Gebot für jeden Menschen. „Erkenne dich selbst!“ stand am Eingang des Tempels zu Delphi, dieser alten Lebensschule. Sie werden er
kennen, wie sehr dieses Gebot auch für Ihr Vorwärtskommen
von Wichtigkeit ist. Der zweite Teil bei jedem Geschäft ist der andere, die Person oder Firma oder Gemeinschaft, der Sie Ihre Ideen oder Güter oder Leistungen übertragen wollen. Es ist, wenn wir das Anstellungsverhältnis berücksich
tigen, Ihr Arbeitgeber. Es ist, wenn Sie Unternehmer sind, Ihre Käuferschaft. Sie werden aus Erfahrung bestätigen, wie wertvoll es ist, wenn man bei Verhandlungen den andern richtig einschätzen kann, wenn man Menschenkenner ist.


Sage nie, es lohne sich




nicht mehr anzufangen.


Es lohnt sich immer noch anzufangen, und wenn es auch nur noch wenige Minuten sind, bis das Erwartete vermutlich eintreten wird. Wenn du z. B. einen Brief zu schreiben hast und dir nur alles zurechtgelegt und die Eingangsworte ge
schrieben, wieviel leichter wirst du dich nachher wieder daransetzen, um ihn zu vollenden. Ein schon ausgeschnittener Flicken, eine eingerichtete Naht machen es leichter und er
mutigender, die Arbeit wieder aufzunehmen. Auch — was noch ein großer Vorteil ist — die Zeit des Wartens vergeht viel schneller, wenn man eine Tätigkeit vornimmt. Und dann vor allem, wie oft dauert es länger bis zum Eintritt des Er
warteten, als man angenommen hat, und dann heißt es: „Ja, wenn ich gewußt hätte, daß es so lange dauert, dann hätte es sich doch noch gelohnt anzufangen.“


Vertrauensseligkeit.


Ein berühmter Mann gab einmal den Rat, man solle jeden Menschen für einen Bösewicht halten, solange er einem nicht das Gegenteil beweise. Wollte man diesen üblen Grundsatz in die Praxis umsetzen, dann wäre das Leben eine Llölle.
Unbegründetes Mißtrauen gegenüber dem Nebenmenschen vergiftet das Zusammenleben und beraubt rückwirkend den Mißtrauenden selber schließlich aller Freude am Dasein. Denn wie soll ein Mensch froh und glücklich sein können, der sich überall von Neidern und Feinden umgeben sieht?
Freilich soll man sich auch vor dem anderen Extrem hüten. Vertrauen darf nicht zu Vertrauensseligkeit werden. Wer blindlings jedem Nächstbesten vertraut, wird bald recht üble Erfahrungen machen. Viele werden seine Vertrauensseligkeit mißbrauchen und werden aus seiner Güte den best
möglichen Vorteil zu ziehen versuchen. Denn leider sind nicht alle unsere Eidgenossen vollkommen; es gibt genug Leute, die sich geradezu einen Beruf daraus machen, von der Gutmütigkeit und Vertrauensseligkeit ihrer Mitmenschen zu leben.
Es wird also gut sein, sich bei der Anknüpfung neuer Beziehungen fürs erste zurückzuhalten, sich nicht gleich mit
schrankenlosem Vertrauen dem neuen Bekannten in die Arme zu werfen. Man wird zunächst beobachten und prüfen, um dann Schritt um Schritt den Kreis freundschaftlicher Neigung zu erweitern, sofern der Auserwählte sich als ein würdiger und wertvoller Partner erweist.
Kritiklose Vertrauensseligkeit ist nicht nur höchst bedenklich und gefährlich, sie ist eines ernsthaften Menschen auch nicht würdig. Wer ohne triftige Gründe jedem seiner Freunde und Bekannten oder gar einem fremden Menschen seine An
gelegenheiten preisgibt, wird kaum das erwartete Interesse finden, sondern als ein törichter Schwätzer beurteilt und verurteilt werden.
Selbst dem vertrautesten Freunde gegenüber soll man eine bestimmte Grenze des Vertrauens niemals überschreiten. Man braucht etwas, das einem ganz allein gehört, woran kein
anderer Mensch teilhaben sollte. Sein Eigenstes, das Heiligste und Beste soll man für sich selber behalten, um sich so eine Kraftreserve für das persönliche Wertgefühl zu sichern.
Allzu große Vertrauensseligkeit ist Preisgabe des Persönlichen. „Wer vertraut, ist edel; wer zuviel vertraut, ist ein altes Weib.“ So sagt ein alter indischer Sinnspruch.


Lobe rechtzeitig!


Seitdem F. Th. Vischer in seinem Roman „Auch einer“ den Satz geprägt hat: „Das Moralische versteht sich von selbst!“,
hat es Dutzende von Nachtretern gegeben, die durch kleine Abänderungen auch andere Dinge „sich von selbst verstehen“
ließen. Religion, gesunder Menschenverstand, Glaube, Liebe, Treue, Hoffnung, die ganze Leiter guter menschlicher Eigenschaften mußte sich von selbst verstehen. Bis in die Geschäftspraxis hinein drang das Wort. Fleiß, Aufmerksamkeit,
Vertraue deiner Kraft!