Dekoration und Reklame (Juli) (№ 7)
Коллектив авторов01.07.1937

Das ruhige Sommergeschäft




lebhafter gestalten!


Es ist eine bekannte Tatsache, daß im allgemeinen im Sommer das Geschäft ruhiger wird. Das ist durch
aus nichts Beunruhigendes, sondern eine ganz natürliche Erscheinung. Der Grund ist in erster Linie darin zu suchen, daß ein großer Teil des Publikums in den Sommermonaten verreist ist, dann aber auch darin, daß die Kunden erwiesenermaßen während der heißen Jahreszeit weniger gerne Einkäufe tätigen.
Aus dieser Erfahrung und Feststellung heraus wäre es ebenso ein Fehler, in dieser Zeit die Reklametätigkeit und Schaufensterdekoration ganz einzustellen, als auf der an
deren Seite zu versuchen, mit allen Gewaltmitteln einen
Rekordumsatz zu erzielen, und zwar unter Aufwendung raffinierter Reklamemethoden oder einer abnormalen Sen
kung der Preise. Erzwingen läßt sich ein Rekordumsatz in dieser Zeit auch unter übergroßer Aufwendung von Mit
teln nicht. Was aber durchaus möglich ist, das wäre, mit einfachen Mitteln zu versuchen, diese stille Geschäftszeit zu überbrücken und wenigstens eine gewisse Belebung
herbeizuführen. Wir wollen deshalb nachstehend einige Ratschläge geben, deren Verwirklichung durchaus nicht schwierig ist und die außerdem keinen besonderen Aufwand an Arbeit und Kosten erfordern.
Spezialangebot an die Daheimgebliebenen.
Nicht alle Menschen können während des Sommers verreisen. Oft sprechen materielle Gründe mit, oft aber liegt der Grund in der Art der Tätigkeit des einzelnen. Ganz gleich, ob so oder so, das eine steht fest, daß die Daheim
gebliebenen auch während des Sommers einen gewissen Bedarf haben. Es empfiehlt sich daher, Angebote mit besonders vorteilhaften Waren oder zu ganz besonders niedri
gen Preisen an das Publikum zu richten, am besten an die Kunden, die man in seiner Kartothek führt oder die einem sonst irgendwie bekannt sind, und von denen man weiß, daß sie in diesem Sommer nicht verreisen.
Ein einfacher Brief könnte folgenden Wortlaut haben:
Sehr geehrte, gnädige Frau!
Wenn Sie in diesem Jahr vorläufig noch nicht verreisen, so werden Sie doch Gelegenheit haben, sich in der Ferienzeit das Leben besser zu gestalten. Schaffen Sie sich Erleichterung und eine entsprechende Entschädigung dadurch, daß Sie jetzt, während andere ver
reist sind, die Gelegenheit ausnützen, die Ihnen meine Sonderangebote bieten:
Aufzählung der Warengattungen.
Ich glaube bestimmt, daß meine Waren und Preise Sie mit vielem aussöhnen werden, wenn Sie jetzt Ge
legenheit nehmen, mich einmal zu besuchen. Je eher Sic kommen, um so eher haben Sie Gelegenheit, die für Sie zweckmäßige Auswahl zu treffen. Darf ich mit Ihrem unverbindlichen Besuch rechnen?
Mit besten Empfehlungen
hochachtungsvoll
(Firmenunterschrift).
Wer nicht mit dem zufrieden ist, was er hat, der wäre auch nicht zufrieden mit dem, was er haben möchte.
Es wird sich selbstverständlich empfehlen, vor allen Dingen Waren anzubieten, die für die heiße Jahreszeit in Frage kommen. Zu überlegen wäre es noch, ob nicht die Kosten für einen kleinen Prospekt aufgewendet werden sollten, den man dem Werbebrief beilegt.
Hand in Hand damit müssen die Schaufenster mit Spezialangeboten versehen werden, speziell für diejenigen, die nicht verreisen konnten.
Wochenendangebote nicht vergessen!
Wenn auch viele Menschen auf eine Sommerreise verzichten müssen, so werden sie sich doch gewöhnlich einen Wochenendausflug, eine kleine Wanderung zum Wochenende oder über Sonntag leisten. Aus diesem Grunde empfiehlt es sich für den Kaufmann, mit „Wochenendange
boten“ herauszukommen. Eine Aufzählung der Waren ist hier naturgemäß nicht möglich, da es darauf ankommt, um welche Branche es sich handelt. Es sind natürlich in erster Linie leichte Bekleidungsstücke, Waren für die Wanderung, für die Reise, für den Sport usw., von denen es in jedem Geschäft irgend etwas geben wird. Es wird ferner sehr zweckmäßig sein, im Geschäft eine kleine be
sondere Ecke einzurichten, in der Tische mit „Waren für das Wochenende“ stehen. Man stellt diese Tische gleich am Eingang des Ladens auf und macht nicht nur mittels Plakaten, sondern auch mittels geeigneter Blickfänge in Gestalt von aus Pappe geschnittenen Figuren oder Wander
szenen, die aus Figuren zusammengestellt sind, auf diese besondere „Abteilung“ aufmerksam. Es versteht sich von selbst, daß man auch im Schaufenster in geeigneter Weise auf diese „Wochenendangebote“ aufmerksam macht — man bedient sich hier der gleichen Vorschläge, wie oben erwähnt.
Mehr Ausstelltische als gewöhnlich.
Ausstelltische sind immer angebracht und können nie etwas schaden (abgesehen natürlich an Tagen vor Festen, an denen sie den Verkehr behindern können). Und gerade in der ruhigeren Zeit sollte man die Zahl der Ausstelltische vergrößern, um die verschiedensten Waren auszu
legen. Natürlich müssen auch die geeigneten Waren darauf ausgelegt sein, das heißt kleinere Waren oder, besser gesagt, solche, die nicht zu teuer sind und zu deren An
schaffung es nicht erst langer Überlegung seitens des Publikums bedarf. Trotzdem gewiß ein Teil des Personals auf Urlaub ist, muß doch dafür Sorge getragen werden, daß die Abfertigung an diesen Tischen schnell vonstatten geht, und daß die Waren möglichst am gleichen Tische
bezahlt, eingepackt und ausgehändigt werden können, wenn es sich um Geschäfte größeren Umfanges, um Kaufoder Warenhäuser handelt.
Aber auch bei kleinen Geschäften werden die Ausstelltische ihre Bedeutung haben. Es genügt auch, wenn an verschiedenen Stellen des Verkaufstisches, an
der Kassa oder auf einem niedrigen Regal Sonderausstellungen ungeordnet werden.