Die Registrierkasse und die automatische Präzisionswaage sind im Laufe der Zeit doch schon in vielen Geschäften zu finden. Aber wo sind die Organisationsmittel, die noch weiter zu jedem kaufmännisch sorgfältig geführten Ge
schäft gehören? Eine Schreibmaschine ist auch für den kleinsten Laden ebenso unentbehrlich wie eine neuzeitlich eingerichtete Registratur, eine Durchschreibebuchhaltung und ein übersichtliches Kartotheksystem. Der Kaufmann muß bedenken, daß ein mit der Schreibmaschine an seine Lieferanten und Kunden geschriebener Brief anders für das Geschäft spricht als eine handschriftliche Verständigung. So ist es mit der Buchhaltung und so mit der Registratur.
Alle diese Argumente, die der Kaufmann bei seinen Kunden anbringt, um sie zu überzeugen, wie notwendig tech
nische und maschinelle Hilfsmittel sind, muß er sich selbst immer wieder sagen, denn sie gelten in erster Linie für sein Geschäft und für ihn selbst, und wenn ein Kaufmann sein Geschäft neuzeitlich und mit modernen Hilfsmitteln
eingerichtet hat. kann er durch sein Beispiel zeigen, daß es ihm nicht um Worte geht, sondern um Taten, wenn er mit seinen Kunden über moderne Neuerungen redet! Organi
sation und rationelle Hilfsmittel sind die Grundlagen für einen erfolgreichen Aufbau und verdienen unbedingt besondere Beachtung.


Kundenerziehung eine Utopie?




Es gibt überall Schulen für Verkäufer, es gibt Schulen für Kaufleute, für Stenotypistin




nen, für Buchhalter und für alle anderen Stände und Ge




werbebetriebe. Es gibt Unterrichtsstellen für Dekorateure, für Reisende, kurzum für alle kaufmännischen Betätigungen. Wo aber gibt es eine Schule zur Erziehung der Kunden?


Die ganze Abwicklung des Kaufes wäre wesentlich einfacher und bequemer und bestimmt auch erfolgreicher für die Kunden, wenn es gelingen würde, alle diejenigen, die Käufe tätigen, entsprechend zu erziehen. Das ist natürlich außerordentlich schwer, ja man kann sagen, fast unmög
lich, denn wenn die Kaufmannswelt heute auch versuchen würde, im eigenen Interesse und im Interesse ihrer Kun
den, eine derartige Kundenschule zu errichten, so würde zweifellos, auch wenn man die Kunden bewirten würde und sie kein Schulgeld zahlen müßten, der Besuch sehr gering sein.


Aber nehmen wir an, es würden sich Schüler einstellen, die lernen wollten oder sollten, wie man zweckmäßig Waren einkauft, so setzt von vornherein wieder eine Schwierigkeit ein, denn 70 bis 80% aller Ladenkunden ent


fallen auf das schwer erziehbare schöne Geschlecht, das sich mit seinen Wünschen und der Art, wie es einkauft, doch nicht erziehen läßt. Man müßte schon versuchen, einen „idealen Kunden“ als Muster vorzuführen, um allen Hörerinnen und Hörern zu zeigen, daß sie durch richtigen Einkauf sich selbst nur Vorteile bieten, meist weniger bezahlen, bestimmt das finden, was sie suchen, und zum Schluß mit ihrem Kauf auch restlos zufriedengestellt sind. Sehr bald aber wird man herausfinden, daß viele Kun
dinnen gar nicht schnell kaufen wollen, sie wollen auch


gar nicht von vornherein das Richtige finden, sie wollen die Freude am Kauf haben und die umworbene Kundin sein. Wie viele Kunden gibt es, die es als ein Vergnügen betrachten — ja, es gehört sogar zu ihrem größten Freu


den — sich den halben Laden zeigen zu lassen, und wenn sie dann alle Waren gesehen haben, zu erklären, doch nicht das Richtige finden zu können. Sie haben dann sich und dem Verkäufer gegenüber die beste Ausrede, in ein an
deres Geschäft zu gehen und mit dieser Kauftaktik wieder neu zu beginnen.
Mit. der Kundenschule wird es bei dieser Art von Käufern nicht gehen. Doch kann der Verkäufer bei aller Höflichkeit versuchen, erzieherisch auf die Käufer einzuwir
ken. Das sind aber noch harmlose Kunden, die einem zwar die Zeit rauben, aber durch ihre Freude am Suchen keine unangenehme Stimmung verbreiten, höchstens dazu beitragen, daß andere Kunden, die schon lauge warten, nicht
bedient werden können. Erzieherisch einwirken sollte der Kaufmann aber vor allem bei denen, die grundsätzlich nach langen Überlegungen eine Ware kaufen, mit dem festen Vorsatz oder dem inneren Gefühl, sie morgen oder übermorgen wieder umzutauschen. Diesen Umtauschkunden bei
zukommen, ist gar nicht so schwierig. Vor allen Dingen sollte stets bei Ausfolgung der Ware der Umtausch be
fristet werden. Man kann einen Zettel beilegen, auf dem steht:
„Umtausch ist nur in den Vormittagsstunden von 9 bis 11 Uhr möglich.“


Man kann diesen Satz natürlich noch durch einige liebenswürdige Wendungen verbrämen und auch erklären, warum diese Maßnahme notwendig ist, die nicht eine Schikane des Kaufmannes darstellt, sondern nur eine Sicherung für den Kunden selbst ist, weil in den Vormittags




stunden die Zeit und die Möglichkeit besteht, Retouren


zurückzunehmen, die Waren auszutauschen, Kassenzettel umzuschreiben und ähnliches mehr. Die Nachmittagsstunden müssen den Kunden reserviert bleiben, die glatte Einkäufe tätigen.
Handelt es sich um Stoffe, um Meterware, um Erzeugnisse, die abgeschnitten werden oder bei denen Quantitäten abgewogen werden, oder auch um bestimmte Ge
brauchsartikel, um Modewaren, Badeanzüge und ähnliches, dann kann sehr höflich, aber bestimmt vor dem endgültigen Verkauf dem Käufer, bzw. der Käuferin gesagt werden, daß diese Artikel vom Umtausch ausgeschlossen sind. Will sich der Kunde die Sache noch überlegen, soll er es ruhig tun; ist er aber, trotz des Vorbehal
tes, mit dem Kauf der Ware einverstanden, dann soll gleich auf dem Kassenzettel und auf der Ware selbst ein deutlicher Hinweis angebracht sein:


„Diese Ware ist im Interesse unserer Kunden vom Umtausch ausgeschlossen.“


Wir werden später Gelegenheit haben, uns noch mit einer ganz bestimmten Kategorie von Kunden auseinanderzusetzen, deren Erziehung am ehesten möglich ist, und das sind die Kunden, die auf Grund gewisser Waren
kenntnisse, die allerdings meist mangelhaft sind, glauben, mehr von der Ware zu verstehen als der Verkäufer und der Kaufmann selbst, der doch auf Gmnd seiner Waren
kenntnis die Ware einkauft und verkauft. Wenn wir zu dem Ergebnis kommen, daß eine Schule für Kunden vor
läufig noch eine Utopie ist, so besteht gar keine Frage, daß eine gewisse Kumdenschulung durch geschickte Ver
käufer und durch die Art der Behandlung des Kunden, wenigstens bis zu einem gewissen Grade, möglich ist.