Die Kunst (№ 8)
Коллектив авторов01.05.1914
OTTO BAURIEDL
GARDASEE
Bäume usw. ? Man könnte fast sagen, das seien die Urthemata der Landschaftsmalerei. Und doch: schon die kleinsten Auffassungs
unterschiede bewirken, daß wir sie immer zum ersten Male dargestellt zu sehen meinen; um wie viel mehr nun erst dann, wenn einer sie mit eigenen Augen ansieht und uns diesen seinen Eindruck auch restlos-treu vermitteln kann!
So ein Künstler, der uns fortwährend die alltäglichsten Dinge von der Welt neu er
leben läßt und uns mit einem Naturabbild beschenkt, das, zugleich subjektiv und objektiv gesehen, von seinem Schöpfer fast nicht we
niger verrät wie von der Natur selbst, ist Otto Bauriedl. Von Geburt ein Münchener und in seinem ganzen Wesen, mit der Klarheit des Blickes, seinem Sinn für die Wirklichkeit und seiner lebenbejahenden Fröhlich
keit der typische Oberbayer, gibt er wohl in einem bestimmten Sinne auch das, was man
Heimatkunst nennt. Aber er ist durchaus nicht auf dieses Schlagwort festzulegen. Bau
riedls Kunst strebt, bei all seiner Liebe zu den traulichen Winkeln der engeren und weiteren Heimat, doch zum Typischen, zur Land
schaft schlechthin, die nur mehr in zweiter oder dritter Linie Porträt, in erster Linie aber ein „Stück Natur, gesehen durch ein Tempera
ment“ sein will. Ihr Ausgangspunkt ist die Zeichnung, die zeichnerische Form. Sie ist der starke Knochenbau, der den Körper dieser Kunst zusammenhält und der Farbe zum Trag
gerüst dient. Diese Farbe aber ist von einer Frische und einem Glanz und so ganz durch
tränkt von Licht, wie man das nicht oft findet, besonders nicht bei Arbeiten in der Technik (Wasserfarbentempera), die Bauriedl für seine kleineren Bilder fast ausschließlich anwendet. Neuerdings ist er mit Energie auch zur Oelfarbe und zu größeren Formaten übergegangen und es ist sehr reizvoll, zu beobachten, wie