oii
	seiner Kunstfertigkeit; da er sich mif dem Zeichnen seiner Fi-
guren wenig abmiiht, die ohnehin stets dem Lampeneffekt unter-
geordnet sind, so sind seine Bilder immer so glalt und sauber,
wie die schénsten Theebretter — man muss ihm aber das Ver-
dienst lassen, dass er den Ton des kiinstlichen Lichts, welches
in dem blaulichen vom Mondschein erhellten Nebel sanft ver-
schwimmt, gar vortrefflich zu. geben weiss.

Es ist ein grosses Verdienst der niederlandischen Malerei
und es kann nicht oft genug gerithmt werden, dass sie, na-
mentlich was die Genremalerei angeht, niemals den Zeittenden-
zen huldigte. ,Die Menschen haben den Teufel zur Welt hin-
ausgejagt, aber den Schwanz haben sie ihm ausgerissen und
der heisst Tendenz. — Ich méchte einmal etwas machen, bei
dem sie gar keine Tendenz herausqualen kénnten, wo sie bloss
sagen miissten: das Ding ist schén.“ Also lasst Berthold Auer-
bach seinen Maler Reinhard sagen. Die niederlandischen Maler
haben von jeher in diesem Sinne gemalt und es ist gewiss, dass
bloss der innere Werth, ,,der spezifische Kunstwerth,“ ein Bild
auf die Dauer vor dem Vergessen werde retten kénnen. Nur
ein jiingerer, aber nicht talentloser Kunstler hat sich auf der
diesjahrigen Ausstellung mit solch einem Tendenzbilde ver-
sucht; dies Bild von Kénigsfeld — ein Doppelbild in einem
Rahmen — stellt-in dem einen Reichthum und Ueppigkeit in
der Gestalt eines jungen Madchens, die in reicher Kleidung auf
einem Ruhebette hingegossen liegt, dar, und in dem andern
die bilterste Armuth, das Elend in der Gestalt eines verharmten
elenden Frauenbildes. Das Bild soll poetisch sein, aber wie
fiirchterlich prosaisch sind gerade diese Darstellungen, die Ab-
kémmlinge der schlesischen Weber! Ein wiederkéuender Ochs,
der im Grase liegt und sich von der Sonne hescheinen lasst,
mit Natursinn wiedergegeben, ist unendlich poetischer!

Das Feld der Landschaftsmalerei und darunter die Marine-
und Architekturmalerei mitbegriffen, wird gegenwartig in Hol-
land am allermeisten angebaut und die Ausstellung bietet darin
des Vortrefflichen gar Vicles. Der Preis muss dieses Mal
Waldorp zuerkannt werden, der in seinen Kanalansichten un-
iibertrefflich ist; man vergisst vor seinen Bildern durchaus die
Farbe, alles ist Natur und er reiht sich den grossen Meistern
des 17. Jahrhunderts an. Tiichtige Landschaften haben unter
andern auch geliefert Bilders, J. F. vanDeventer, Du-.
boureq, Verveer, Weissenbruch, Breuhaus de Groot,
so wie gute Marinebilder: Louis Meijer, P. J. Schotel,
Gruiter, Schaap aus Antwerpen, Rist, Koster, Dreib-
holtz und Andere. Gute Architekturen sind von Bosboom,
Springer, P. Tétar van Elven u.s. w. vorhanden.

Die Thiermalerei hat in van den Berg in Haarlem dieses
Mal ihren ausgezeichnetsten Vertreter gefunden, seine Bilder
sind eigenthimlich, voll Kraft und in edlem Styl gehalten; van
de Sande Bakhuyzen fehlt gleichfalls nicht mit recht titch-
tigen Leistungen. Cundus hat einen vortrefflichen, lebensgros-
sen Alpenhund ausgestellt.

Im Fach der Blumen- und Stilliebenmalerei zeichnen sich
namentlich Damen aus; Reekers hat ein vortreffliches Still-
leben geliefert und die Damen Haanen, Hansen, Martin
ось. Schot, Ravenszwaay sehr schéne Blumenstiicke — nicht
minder Steenbergen, de Castro und Andere.

Unter den Zeichnungen ist besonders ein geistreicher Ent-
wurf von D. Bles bemerkenswerth ,L’hyménée est un joug
ele.“ voll Grazie und Laune, so wie eine recht hiibsche Zeich-
nung von dem gewandten Componisten Craeyvanger, einen
Aufzug von Rhetorikern (Rederykers) bei Fackellicht. Recht
hiibsche Radirungen hat der Landschaftsmaler Dubouregq aus-
	gestelit.
Bs ist nur ein Miniaturgemalde auf der Ausstelinng, aber
	bliitigen Grausamkeit der spanischen Soldaten; das blutige Drama
spielt in der Schmiede. Das Bild ist sehr natiirlich angeordnet,
gut gezeichnet und tichtig durchgefiihrt. Der Gegenstand aber
ist ein durchaus verwerflicher, denn dic Malerci soll sich nicht
mit Scheusslichkeiten abgeben. Ein anderer, gleichfalls noch
junger Kunstler, B. Wynveld in Amsterdam, hat in seinem
gekrénten Bilde ,Petrus und Johannes am leeren Grabe des
Heilandes* gleichfalls grosse Energie und ein bedeutendes Ta~
lent an den Tag gelegt. — Mit diesen beiden Bildern ist denn
auch so ziemlich Alles tiber die diesjahrige Historienmalerei
gesagt. Der Hr. J. A. Krusemann, berihmter Portratmaler,
hat eine Hagar ausgestellt, die sehr grazids auf ihren Zwerch-
sack niedergesunken ist und betet, so wie zwei halbe Figuren,
die eine, Jakoba von Baiern und die andere, Ada von Holland,
in ihrer Gefangenschaft auf Texel darstellend. Die Bilder dieses
Malers wetteifern in Zeichnung und Auffassung mit den schén-
sten Almanachfiguren und in den hellen Farben mit den vor-
trefflichsten Porzellangemalden. Eine Poesie von Galimard in
Paris ist die beste der ausgestellten idealen Gestalten und , die
Sinnende* von Israels in Amsterdam, eine weibliche Figur
im langen weissen Gewande an einem Bach sitzend, bei vielen
technischen Vorziigen sehr weich, siisslich und tiberschwing-
lich. Philippeau, Neuman, Heyligers und Andere haben
recht gute Portrats geliefert; vielen Beifall findet cine Magdalena
yon Maes in Rom, der minder in Holland als Deutschland be-
kannt ist. Biard in Paris hat Louis Philipp von Orleans ge-
malt, wie er in einem lapplandischen Boot das Nordkap besucht,
in seiner geistreichen, gewandien Manier; van Pelt aus Ny-
megen, der gewandt komponirt aber manierirt zeichnet und malt,
hat unter andern den Dichter Jost van Voedel, der vor Birger-
meister und Rath seine Schicksale erzahlt, ausgestellt und
Francois aus Briissel eine allerliebste, fein behandelle Scene
aus dem Lager Ludwig XIV., im Vordergrunde sitzt der Schlach-
tenmaler van der Meulen und skizzirt. Hoevenaar aus Utrecht
und Hollaeder in Amsterdam, so wie eine Menge anderer
junger niederlandischer Kinstler behandeln fast immer haus-
liche Scenen aus dem 17. Jahrhundert; ohne diesen Malern ihr
Verdienst absprechen zu wollen — ersterer kolorirt namentlich
vortrefflich — muss ich doch gestehn, dass man diese ewigen
Nachahmungen der alten Meister Terburg, Metz und Douv sehr
satt bekommt; man kann recht gut diesen grossen Vorbildern
der alten Schule folgen, ohne gerade ihre Kostiime und Gerdthe
zu kopiren, und ein moderner Genremaler sollte sich vor allem
frisch im Leben umsehn und der Gegenwart seine Stoffe ent-
lehnen. A. Mare in Paris, Fabius in Amsterdam, Kiers, M.
ten Kate, Wynfeld, Weddige und Andere haben ihre Stoffe
mit grésserem und geringerem Glick ihrer Umgebung und der
Gegenwart entlehnt und verdienen schon deshalb genannt zu
werden. Ueber Leiztgenannten, einen Deutschen, fraher Zog-
ling der Diisseldorfer Akademie und spater Schiiler von Be-
veren’s fallt der Rezensent im Handelsblad folgendes Urtheil:
Wir haben Achtung vor der Malweise (Schildertrant) von C.
	Weddige und es wiirde uns nicht wundern, wenn dieser Maier.
	mit der Zeit mehr die Aufmerksamkeit wird erregen, als dies
jetzt bereits der Fall ist; in seinen Bildern ist Alles mit Krali
und Sorgfalt behandelt; der Maler zeichnet sich aus in guter
Zeichnung, Rundung namentlich und vortrefflicher Behandlung.*

Sehr interessant sind die Bilder von van Hove, der alt-
hollandische Interieurs in der Art Peter de Hoog’s malt, aber
doch in origineller Weise ; er hat ein Vorportal bei einer Ueber-
schwemmung ausgestellt, cin eben so neues als geistreiches
Motiv. Van Schendel, ein Virtuose ersten Ranges im Dar-
stellen von Fisch- und Gemtisemirkten bei Lampenlicht und

Mondschein, fehlt auf keiner Ausstellung mit einigen Produkten