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	pelle zu Eaton gemalt. Die Miniaturen in alten Manuscripten
sind jetzt mehr als je Gegenstand des Studiums und der Ver-
dffentlichung. Als eine Probe der letzteren wird eine Brochiire
des Hrn. J. O. Westwood tiber irlandische Manuscripte vor-
gelegt. Sammlungen von Gemalden, meist der italienischen,
aber auch gelegentlich der niederlandischen und deutschen
Schule des 14. und 15. Jahrhunderts, sind mit Erfolg angelegt
worden. Dergleichen sind die des Prinzen Albert, die des
hisherigen Ministers fir den Handel, Hrn. Labouchere, zu
Stoke bei Windsor, des Hrn, Davenport Bromley zu Waston
in Derbyshire, des Hrn. Alexander Barker zu London und
des Hrn. William Fuller Maitland zu Stanstead-House in
Hertfordshire. Auch die Nationalgalerie hat einige héchst be~
deutende Werke dieser Klasse erworben. Populaire Schriften
werden tber die Epochen friherer Kunst verbreitet, so die mit
Anmerkungen des jetzigen Prisidenten der Akademie Sir Char-
les Eastlake und nach der zweiten Auflage auch mit vielen
lrefflichen Ilustrationen begleitete Uebersetzung des italieni-
schen Theiles von Kugler’s Handbuch der Malerei, die des Sir
Edmund Head von dem niederlandischen Theil desselben Werks,
manche Schriften der riihmlich bekannten Frau Jameson. So-
dann geht der Prof. Waagen zu der Miltheilung iiber seine
Studien aber. Fir einzelne grosse Meister ist es ihm beson-
ders gelungen, den Thalbestand zu vermehren. So fir Jan van
Eyck, Justus von Gent, Rogier van der Weyden dem Aelteren,
Hans Holbein, Lionardo da Vinci und Michelangelo Buonaroti ).
Sehr reich ist zunachst die Ernte auf dem Gebiete der nieder-
landischen Schule des 17. Jahrhunderts gewesen. Die Zahl der
héchst werthvollen Bilder aus derselben in England ist in der
That erstaunenswiirdig. Héchst bedeutend ist ferner das Ma-
terial, welches er ftir seine Geschichte der Miniaturmalerei im
Mittelalter erworben hat. Die grossen Schatze, welche die Bi-
bliothek des brittischen Museums, so wie die bodleiansche Bi-
hbliothek zu Oxford besitzt, sind ihm von den Beamten jener
Anstalten mit einem bedeutenden Aufwande von Mihe und Zeit
zur freiesten Benulzung zum bequemen Studium eingehandigt
worden. Fir England hat sich namenitlich aus diesem Studium
ergeben, dass die Malerei dort vom 13ten bis zur Mitte des
15. Jahrhunderts in einer ecigenthiimlichen Weise eine bedeu-
tende Schule hervorgebracht, von da ab aber in eine tibrigens
geschickte Nachahmung der niederlandischen und franzésischen
Schule verfallen ist. Ausserdem wurden folgende Biicher von
dem Prof. Waagen vorgelegt und zum Theil kirzlich besprochen:

1. Otto Mindler, Essai d une analyse critique de la
notice des tableaux italiens du Musée National de Louvre ete.
Paris, Firmin Didot. 1850. In dieser Brochiire werden nicht
allein viele Fehler des neuesten Catalogs, welche der jetzige
Director derselben, Hr. Vilot, herausgegeben, berichtigt, son-
dern auch anderweitig mit grosser Belesenheit und feiner Kritik
manche fir den Freund der Kunstgeschichte neue und interes-
sante Nolizen gegeben,

2. Dr. Rigollot, Catalogue de Voeuvre de Léonard de
Vine. Paris chez Dumoulin. 1849. ?) }

3. Campanari; Ritratto di Vittoria Colonna фрицо аа
Michelangelo Buonaroti, mit einem Steindrucke nach demsel-
ben. London 1850.

4, Rev. F. C. Husenbeth, Emblems of Saints. London
1850. Eine sehr vollstandige und bequem angeordnete, meist
aus den deutschen Schriften iber diesen Gegenstand entnom-
mene Zusammenstellung.
	1) Hiervon gedenkt der Prof. Waagen néhere Auskunft im deutschen
	Kunstblatt m besonderen Aulsatzen zu geben.
2) Diese Schrift wird der Prof. Waagen in einem besonderen Aufsatze
	in diesem Blatte besprechen.
	o. An introduction to the study of gothic architecture Ox-
ford and London. J. H. Parker. 1849. Eine kurz’, aber klar
gefassle und durch technische, in den Text eingedruckte Ab-
bildungen sehr lehrreiche Schrift.

Zum Schluss wurde die Versammlung durch eine Reihe
von theils in Bleistift, theils in Farben ausgefihrten Bildnissen
des als Gast anwesenden Professor Schramm erfreut, welche
sich durch eine glickliche Auffassung und eine treffliche Be-
handlung des Materials auszeichneten  )

In der Fe bruar-Sitzung gab der Prof. Waagen nahere
Auskunft tiber den ersten Band des neuesten Werkes des Grafen
Léon de Laborde: La renaissance des arts & la cour de
France, welchen er vorlegtc, und hob besonders die grosse
Bedeutung dieses Werkes fiir die Begriindung eines reichen
Thatbestandes ftir diesen Abschnitt der Kunstgeschichte in Frank-
reich hervor?). Ausserdem legte derselbe noch folgende Schrif-
ten vor:

1. Sir Edward Head, A hand-book of the history of
the spanish and french schools of painting. London, Mur-
Fay. 1848.

2. Mrs. Jameson, Handbook to the public galleries of
art in and near London. J. Murray. 1845.

3. Peter Cunningham, Handbook of London Past and
Present. J. Murray. 1850.

4, Outlines in lithography from a small collection of Pic-
tures. Yarmouth 1850. Dieses von dem Besitzer, Hrn. Daw-
son Turner, einem fiir Kunst und Alterthum im einem langen
Leben mit seiner jetzt verstorbenen Frau und vier Téchtern
rastlos und mit dem besten Erfolg thatigen Manne, herausge-
gebene und nur verschenkte Werk enthalt in dem begleitenden
Text viele treffliche und lehtreiche Bemerkungen, besonders
uber englische Kiinstler.

5. О14гоп, Annales archéologiques. 1850, ein von der
Gesellschaft erworbenes Exemplar. Der Inhalt dieses Jahr-~
gangs ist bereits in diesem Blatte angegeben worden.

6. L. Alvin et C. P. Bock, Lgtise abbatiale de Nivelles.
Sculptures du XI¢ siecle. Bruxelles et Leipzig, Muquardt.
1850, mit einer Abbildung und einem ausfiihrlichen und grind-
lichen Text. Ein sehr schétzenswerther Beitrag zur Geschichte
der Sculptur in Belgien.

@. J. Gaillard, Revue pittoresgue des monuments, qui
decoraient auirefois la ville de Bruges et qui n’existent plus
aujourdhui. Bruges bei dem Verfasser. 1850. Unter den 44
Blattern, welche Kirchen, Kléster, Kaufhauser, Thore, Altdre
aus sehr verschiedenen Zeiten und von sehr verschiedenem
Werthe enthalten, sind als besonders merkwirdig die alte Ca-
thedrale des h. Donatian, ein theils romanischer, theils gothi-
scher Bau, und der gewaltige Thurm der grossen Halle, wie
	er vor dem Brande von 1749 aussah, hervorzuheben.
Сс. Е №.
	Oiolzschnitt.
Prospekt-der Stadt Kéin am Rhein im sechsxehn-
	ten Jahrhundert; in neun Blittern nach dem be-
rihmien Originalholeschnitt des Anton von Worms
	aus dem Jahre 1531 in gleicher Grosse getreu wieder-
gegeben von D. Levi Elkan. — Kéln 1851. Com-
	1) Vergl. No. 4.

2) Naheres hiertiber giebt die seither in diesem Blatte abgedruckte An-
zeige des Werkes.