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	Phaaken breitet sich in diesen Sludien vor unsern Blicken aus,
und gern gestatten wir auch unserer Phantasie dies Land in
ihnen wiederzuerkennen, um es mit den von der Poesie er-
zeugten Gestalten zu beleben.

Die Anzahl der auf der Insel Corfu gefertigten Blatter ist
ebenfalls bedeutend und auch in ihnen zeigt sich das Bestreben,
diejenigen Punkte besonders hervorzuheben, wo die Dichtung
das landschaftliche Interesse erhéht.

Mehrere Studien zeigen uns die Aussicht auf die in der
Nahe gelegene kleine Insel, die der Dichtersage zufolge aus
dem von Ithaka heimkehrenden Phiaken~Schiffe erstand, indem
der rachende Poseidon dasselbe

»Schlug mit der Flache der Hand, und schuf zum Felsen es plétzlich,

Der fest wurzel? am Boden des Meers; — —“
Andere, besonders malerische Darstellungen bot auch hier das
Gebirge mit dem riesigen 8. Salvator, der seinen Gipfel machtig
in den duftblauen Aether erstreckt. Auch die Quelle des lang-
sam dahinfliessenden Fliisschens Cressida beschaftigt durch seine
cigenthiimliche Umgebung die gern im griechischen Alterthum
verweilende Phantasie, wahrend die mannigfach verschieden
gestalteten Ufer anderer Fltisse uns unwillkirlich zur Verge-

genwiartigung jener reizenden Scene auffordern, in welcher der
vielgewanderte Odysseus zum erstenmal der lieblichen Nausikaa

gegentiberiritt.

Doch es wiirde zu weit fiihren, wollten wir uns in alle
die interessanten landschaftlichen und poelischen Einzelheiten
dieser Blatter noch tiefer versenken; das bleibe Sache der An-
schauung.

Bevor wir uns jedoch von ihnen trennen, kénnen wir nicht
umhin, schliesslich ein Wort tiber die Art der sie auszeichnenden
kiinstlerischen Behandlungsweise hier folgen zu lassen.

Sammtliche Studien sind in Wasserfarbe und zwar unmit-
telbar vor der Natur ausgefiihrt. So schwicrig auch diese Auf-
gabe war, die sich der Kunstler dadurch stellle, so gliicklich
hat sie derselbe gelést. Mit wahrhaft kiinstlerischer Gewandt-
heit hat er es verstanden stets den giinstigsten Moment der Natur
abzugewinnen und auf das Papier zu tibertragen. Die Schnel-
ligkeit in der Behandlung, welche dieses, bei solcher Gelegen-
heit verwendete Material, bedingt, ist nicht bei ihm zur Ober-
flachlichkeit herabgesunken, sondern verleiht diesen Arbeiten
vielmehr den eigenthtimlichen Reiz der nalurgemassen Freiheit.
Dieser wird hauptsdchlich erhéht durch die das Gefihl fesselnde
Sicherheit, mit welcher Form und Farbe erfasst und wieder-

gegeben sind.
	Kein angstliches Nachpinseln oder kleinliches Ausputzen
der Einzelheiten stort in diesen Blattern den Ejindruck des To-
	talen; sie sind gewissermassen als ein Abklatsch von dem er-
sten und krafligsten Eindruck, den der jedesmalige Gegenstand
auf den Kistler hervorbrachte, zu betrachten. In eben der
Weise wirken sie. denn auch zuritck auf den Beschauer, der
gefesselt von dem Massenhaften in der Darstellung, nicht nach
dem Grashalm im Vorgrunde begehrt.

Mit dieser Herrschaft tiber das Material war denn auch der
Kiinstler im Stande die verschiedensten Momente der Beleuch-
tung gleich wirksam darzustellen — und hiernach zeichnen
sich diese simmtlichen Studien nicht sowohl durch die sinnige
Wahl der Gegensténde, als auch durch die treffliche Art der
Behandlung in ciner Weise aus, die uns bei einer Benutzung
derselben zu grésseren Oelgemadlden bedeutsame Resultate er-
warten lisst. H. Weiss.
	Nachrichten tiber Altere Kiinstler in Wirzburg.
: Von . Becher.
	Die fritheste Notiz iiber einen Wirzburger Maler ist wohl
folgende Stelle in dem Gedicht: ,,die Minneburg* von Egen von
Bamberg, aus der zweiten Halfte des 14. Jahrhunderts. Pfal-
хег Handschrift 455, Bl. 182a.
	ich wolf uzzer mosen gern

daz meister Arnolt, der maler
von Wirtzburg, in irre Kuntscheft were,
an gut must es in helfen ser,
wan er bedérft nimmer mer
brisiligen- varb !) kaufen kein,
er nem nur sin pensel rein

und habt in an iren roten munt
zu hant und an der selben stunt,
so vil der rétd darin schiisse,
daz ein ganzes jar dann flisse,
paris-varb genug dar uz.

Leider fehlt alle Kunde tiber diesen Kiinstler, dessen Ruf
bei seinen Zeitgenossen ausgebreitet gewesen sein muss.

In der zweiten Halfte des 15. Jahrhunderts lebte ein aus-
gezeichneter Maler, Namens Wilhelm, von dem sich nur zwei,
in den Sammlungen der Wiirzburger Universitat und des dor-
tigen historischen Vereins befindliche Fligelbilder erhalten. ha-
ben, welche von einem grossartigen Altarwerk herzuriihren
scheinen. Die eine Tafel stellt zwei lebensgrosse weibliche
Heilige, die h. Dorothea und die h. Christina, auf Gold-
grund dar. Auf der verwaschenen Riickseite zeigen sich noch
schwache Spuren ahnlicher Gestalten. Auf der anderen Tafel
sind ebenfalls lebensgross zwei Kirchenvater dargestellt. Die
Riickseite bildet die Halfte einer Darstellung der Verktindigung,
von welcher sich blos der Engel Gabriel erhalten hat. Auf
einem Blumentopf mit der Lilie steht die Inschrift:
		Dieser Maler, dessen Vorname blos erhalten zu sein scheint,
zeigt sich in diesen Gemalden als einen vorziglichen Kiinstler.
Die weiblichen Figuren, von gutem Verhaltniss und Zeichnung,
haben einen anmuthigen und edlen Ausdruck, eine warme und
klare Farbung in den rundlichen, etwas vollen Kopfen. Die
Gewander, mit scharf gebrochenen Falten, sind sehr reich und
fleissig ausgefiihrt. Der Brokat ist zum Theil durch plastisch
gebildete Blumen auf Kreidegrund dargestellt. Die beiden Kir-
chenvater sind durchaus edel und wahr. Besonders ausdrucks-
voll ist der Kopf des dlteren Heiligen, wakhrscheinlich der №.
Augustin. Diese Bilder zeigen im Allgemeinen den Einfluss
der Eyckschen Schule und insbesondere eine Verwandtschaft
mit Bartholomaus Zeitblom.

Nachdem das Zunftwesen im Laufe des 15. Jahrhunderts
eine weitere Ausbildung erhalten hatte, verbanden sich die Ma-
ler, Bildhauer und Glaser in Wirzburg durch eine gemein-
schaftliche Zunft oder Gilde. Das Alteste Zunfiregister, vom
Jahre 1470 anfangend, war bereits im Anfange des 16. Jahr-
hunderts verloren, worauf im Jahre 1501 die damaligen Ge-
schworenen oder Zunitmeister, der Maler Hans Wagenknecht
und der Glaser Hans Zirbel, ein neues Register anlegten,
in welches auch die friiheren Meisler, bis 1470 riickwarts,
aufgenommen wurden. Dieses Register, unter dem Titel: Ver-
zeichniss der Bruderschaft Lucas, des h. Evangeli-
	1) Der Name Brasilienholz kommt schon lange vor der Entdeckung
Amerjkas vor und das Land Brasilien hat seinen Namen von diesem Holze
	Бекоттел.