gen dieser Eigenthiimlichkeit fiir Фе бапииио уоп. ИМегезе, da es instruktiv auf einen Wendepunkt der niederlindischen Malerei hinweist. Eine ahnliche Bewandiniss hat es.mit dem Bilde No. 114, vorstellend drei Heilige, welche die in der Him- melsglorie schwebende Maria anbelen. Dieses Bild steht auf einer sehr hohen Slufe der technischen Vollendung, die bereits beginnt, fiir sich selbst etwas gelten zu wollen. An Ernst, Wiirde und Form viel bedeutender als das letzterwahnte, ver- 111555 man in thm jene anziehende Gewalt des Gemiiths- und Seelenlebens, wie sie den Werken der Altern Meister eigen ist, ja es macht sich bei der grossen Virtuositét der Behandlung eine gewisse Gleichgiltigkeit fir den religiésen Gegenstand be- merkbar, woran man sich friher so gern begeisterte. Als cin bedeulender Nachfolger der van Eycks erscheint der Urheber des Bildchens No. 156, vorstellend Christus am Kreuze, Maria, Magdalena und Johannes. Dieses Werk lasst eine bestimmtere Priifung seiner Eigenthimlichkeit zu als die obigen, da es in mehrfacher Hinsicht mit. den Bildern wesent- lich tibereinstimmt, die als Werke der ersten Periode dem Joan Gossart, genannt Mabuse, in dem Museum von Antwerpen und Berlin zugeschrieben werden. Jedenfalls sind diese Bilder von einem der bedeutendsten Meister in Brabant. Seine Ge- stalten, aus einem tiefen religidsen Gefiihl entsprungen, tragen hier noch ganz das schlichte Geprige seiner grossen Vorganger, die erst jetzt zur vollen, ihnen gebiihrenden Anerkennung ge- langen, nachdem man hat einsehen lernen, wie unabhingig das warhhaft Schéne von den zufallig angenehmen Formen ist. Im Gefihle religiéser Begeisterung wusste dieser Meister, mit den erforderlichen Kunstmitteln vertraut, jenes geistige Leben in sei- nen Bildern zu erreichen, in dessen Zweck die Materie der Dar- stellungsmittel einen Schmelz erlangen, der Zeugniss giebt, dass sie im Interesse des Lebens véllig bewiltigt worden. Seine Ge- stalten tragen, bei aller Verschiedenheit der individuellen Zige, das Geprage eines selbstandigen Typus. Aber wenn er in ihrer Bewegung zur Zeit noch einen gewissen Grad des hdhern Ра- thos zu erreichen weiss, so zeigen sich in derselben doch nicht selien gewisse concrete Zustande, die zum Beweise dienen, dass man es mit einem Meister einer spatcrn Kunstperiode zu thun hat, in der man anfing, die héhere Bedeutung der realen For- men aus dem Auge zu verlieren. Ausser dem erwahnten Typus sind es noch die Art der Gewandung, die Eigenthtimlichkeit und Behandlung der Land- schaft und des Beiwerklichen therhaupt, sowie ganz besonders die Hinneigung zu graulich-blauen Localtinten im Colorit, die er, in den Gewindern oft nur um ein Weniges verschieden, mit feinem Farbensinn modificirt. Besonders die letztere Eigen- schaft, die ich bei keinem Meister der brabantschen Schule so enlschieden wahrgenommen im Anfang des 16. Jahrhunderts, noch viel weniger in friiherer Zeit, fihrt mich zu der Vermu- thung, dass auch die beiden Bilder №. 132 und No. 133, das erste eine betende Maria, das andere einen verkiindenden En- gel vorstellend, von demselben Kiinstler herriihren. Der Unter- schied zwischen diesen beiden Bildern und dem eben erdrterten darf nicht befremden, da sowohl die verschiedenen Maasse, in welchen sie ausgefithrt, als auch die Stylweisen selbst von cin- ander so abweichend sind. Wenn namlich bei dem erstern ein strenger Styl vorherrschend ist, so scheint der Styl in dem kleinen Bilde fast in der Wahrheit desselben aufzugehen. Solche Verschiedenheit darf hier um so weniger auffallen, da bei den grésseren Bildern in Riicksicht zu nehmen ist, dass sie viel- leicht die dusseren Seiten der Fligelbilder eines Altares wa- ren, dessen Mittelbild von einem anderen Meister ausgefiihrt sein konnte, nach dessen Slylweise er sich sonach richten musste, wodurch es yvielleicht kommt, dass seine Eigenthiim- es eben nur die Oekonomie der Farbenténe der Carnation und die weniger geschmeidige Zeichnung, die mehr zum Hubert hiniiberleiten. Gleichzeitig spricht fiir solche Bestimmung die ‘Art und Weise der naiven Auffassung und Behandlung der In- dividualitét des Kindes, die mit der sich зраег geltend machen- den, dusserlichen Virtuositaét so sehr gefahrdet sind. Durch das etwas schwere Colorit der Schattenpartieen, be- sonders in der Carnation, so wie durch eine gewisse Scheu einer ausfihrlichern Behandlung des Ohres, hatte ich der Meinung Raum gegeben, dass dieses in mehrfacher Hinsicht erhebliche Bild der van Eyck’schen Composition vielleicht von Chri- stophsen ausgefihrt sei. Diese Meinung ist auch jetzt noch nicht vollig besiegt, nachdem ich die Bilder dieses Meisters, befindlich im Stédel’schen Museum zu Frankfurt und im Museum zu Berlin, einer genaueren Prifung unterworfen habe. Сем aus diesen Bildern zur Geniige hervor, dass der genannte Mei- ster wohl schwerlich im Stande sein méchte, eine so grossar- lige Composition, wie dieses Bild, zu vollfiihren, so ist es doch leicht méglich, dass dieser Kiinstler dasselbe unter der Leitung des Hubert van Eyck vollendet hat. Jedenfalls ist diese Vermuthung, auch wenn sie unrichlig, ein Anlass тейт, das fragliche Bild zu den Werken des Hubert van Eyck rechnen zu diirfen, da Christophsen, der Schiiler dieses Meisters, mehr dessen Eigenthimlichkeit, als die des Jan van Eyck hatte: . In ahnlicher Weise, wie bei dem obigen Bilde, ist in cinem die Welt segnenden Christus, No. 119, die Richtung des Alte- ren van Eyck ausgesprochen. Dagegen ist man versucht, das kleine Bild No. 122, vorste!lend Maria im Thron mit dem Christ~ kinde, von Engeln umgeben, fiir ein Werk zu halten, das sich mehr der Eigenthiimlichkeit des Jan van Eyck anschliesst, wozu besonders die Auffassung des singenden Engels Anlass giebt, welcher an eine dhnliche Gestalt des Altarbildes von Gent, befindlich im Berlincr Museum, erinnert. Ausserdem ist die Behandlung des weissen Gewandes entschieden nach dieser Richtung neigend. Fir Jan van Eyck ist indess die Zeich- nung in diesem Bildchen zu unbestimmt, ja zu weichlich, was auch der Annahme widerspricht, dass es vielleicht ein Jugend- werk von ihm sein kénnte, da die Anfange der alten Meister immer in der Form mehr hart als weich sind. In der Gefthls- weise, die sich im ganzen Bildchen ausspricht, glaube ich viel- mehr ein weibliches Naturell zu erblicken, womit ich nur die Méglichkeit andeuten will, dass es vielleicht von Margaretha van Eyck herrihrt, eine Méglichkeit, die bei derartigen Kunst- forschungen, wie mir deucht, zu wenig ins Auge gefasst worden. Diesem Bildchen reihen sich noch zwei andere an, No. 131, die bei diesem Anlass ihre Stelle finden mégen. —- Auch die Weichheit der Form hat ihre bestimmte Granze, die meist da iberschritten wird, wo die Technik sich mehr als solche be- merkbar macht. Aus solcher Weichheit, der ein unverhaltniss- massiger, sinnlicher Reiz zum Grunde liegt, geht hervor, dass die artistische Thatigkeit nicht in dem erforderlichen Grade dem Wesen der Erscheinung zugewendet ist; solche Formen zehren gleichsam von dem geistigen Leben der Erscheinung. In der in Rede stehenden Kunstperiode der altniederlandischen Einfalt, stehen. die weichen Formen, wie sie das Bildchen No. 127 dar- bietet, mit der naiven Auffassung des Inhaltes im Widerspruch ; denn wo sich die Technik in einem so gesteigerten Grade be~ merkbar macht, da kann jene kindliche Unbeholfenheit, die den allern Meistern so wohl ansteht, nicht mehr gut geheissen wer- den. Es ist hier die Art und Weise der einfachen Auffassung der Kindergestallt, die nicht im Einklang mit der bereits ge- witzigten Behandlung steht. Dieses Bildchen, das seiner Manier nach zwischen J. Mostart und H. Bles steht, ist gerade we-