Vorbericht. 
ihm auch in jedem vorkommenden Fall besondere Regeln an die Hand geben soll. Ich bin es aber überzeugt, dass auch der beste Lehrmeisterin der Farbengebung das offenherzige Geskändnis thun wird: ich weiß nicht durch was für einen Zufall ich diese oder jene Mischung der Farben hervorgebracht habe. Eine dunkle Beschreibung der Farbe kann er wol von sich geben, allein damit ist dem Lehrling nicht gedient. Es kommt hierbey, wie ein jeder leicht einsehen wird, hauptsächlich mit auf die Proportion und Verhältnis der untereinander zu mischen den Farben an , deren Anzahl aber die Kräfte des menschlichen Gedächtniffes weit überweigt. Man würde also hierin zu viel von einem Lehrer verlangen, und ihm eine Last aufbürden die er nicht zu tragen im Stande wäre. Diefes also sind meines Erachtens zureichende Gründe, warum dieser Theil der Mahlerey so wenig nach Regeln ist behandelt worden. Wollte ja jemand behaupten, er hätte die Farbengebung bei einem guten und aufrichtigen Mieter erlernt, so glaube ich, dass er dieses doch nur insofern wird sagen können, daß er in den körperlichen Eigenschaften der Farben sich eine ausreichende Kenntnis erworben habe. Wie will auch sehr oft mancher Lehrer der Kunst in diesem Stück sehr zurückhaltend und neidisch ist, oder es selbst nicht befer verdient.
Ich dachte dieser Sache weiter nach und suchte mir überall Nath zu holen, fand aber nirgends, auch im Schriftlichen Unterricht keine Genugtuung. Ich werde in der Folge die dahin gehörigen Schriften angaben. Demohngeachtet schien mir die Sache nicht unmöglich zu sein, und zwar insofern, als man einem richtige Begriffe von den Farben und dem Verhältnis ihrer Zusammensekungen geben kann, ob ich gleich sehr wohl einräume, das zu einem großen Colorisken, die Natur die Hauptsache beigetragen haben müsse. Ich siehe auch allemal, so wie in jeder Wifenfchaft, also auch hier in das natürliche Genie, dem durch anhaltenden Fleiß ich bildenden Künstler, vor, allein die Seltenheit des erkern erfordert diesen Mangel durch Unterweisung und Regeln zu erFeen, und sollte der Weg hierzu zu gelangen, mit nach so vielen Schwürigkeiten verbunden sein.
Die eigentümliche oder Local farbe eines Gegenstandes; das heißt diejenige Farbe zu bestimmen, wodurch eine Sache in Ansehung der Farbe von einer anderen unterschieden wird, ist allezeit etwas mögliches, und dieses ist es, worauf ich mich einfchränke. Ich bin also keineswe
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