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Vorbericht.
weges so kolz, einen Virtuofen in der Mahlerey, das heißt einen Colorifen zu bilden. Zu diesem gehört das Genie eines Naturforfohers, um jede körperliche Veränderung in der Natur wahrzunehmen und mit Scharfsinnigkeit ihre Ursachen zu entdecken. Der natürliche Colorist lernt durch eignes Nachdenken den Werth der Farben erkennen : 1) in Abficht auf die Bereitung felbä; 2) des mehr oder weniger Körperlichen in ihnen, und wie er durch Einmischung eine andere aufhilft oder sie verdirbt; 3) die Stärke einer Farbe durch andere hindurch zu dringen, oder nur als eine schwache und durchfichtige Decke andern Farben nüßlich zu seyn. Allerdings hat das Colorit oder deßen vollständige Theorie noch mehrere Theile als die Abzahlung der Farben und ihrer Modificationen in Abficht auf den Glanz, der Stärke , die Lebhaftigkeit 1c. Die verschiedenen Grade des auffallenden Lichts, die Entfernung vom Auge, der Ton der Luft und die Wiederscheine bey jeder Farbe, verursachen wieder mannichfaltige Abänderungen. Der Anstrich der Farben mit dem Pinsel, die Art eine Farbe in eine andere zu ziehen und zu vertreiben, die Beskimmung der Grade des Glanzes, des Wiederglanzes, der Stärke, der Lebhaftigkeit, der Helligkeit in den Gegenstanden ; alles dieses muß von einem großen Künfter beobachtet werden, wenn das Colorit eben so genau getroffen werden soll, als die Entfernung, die scheinbare Gestalt, Lage und Größe durch die Regeln der Perspective getroffen werden. Dieses aber sind Dinge, in welchen sich keine Grenzen fest sehen lassen, und wenn man auch die Kräfte aller Mahlerakademien hierzu aufbieten wollte.
Mein Vorhaben also ist, ein Verzeichnis von Localfarben zu liefern, deren Mischung und Zusammensetzung ich anzeige. Ich finde in dieser Abficht nicht undienlich, eine kleine Vergleichung mit der Musik und Mahlerey anzufellen. Das, was in der Musik die Haupttöne find, diefes find in der Mahlerey die Grundfarben. So wie nun ein musikalifches Genie diese Töne ohne Vorschrift verbindet, um das Ohr zu ergößen, eben so verbindet der große Colorist feine Farben, um das Auge zu hintergehen. Denn wir haben Gemählde, darinn die Natur bis auf einen Hohen Grad der Täuschung nachgeahmt ist. Allein, da der größte Theil der Menschen Musik erlernt durch die Vorschrift der Töne und deren Abmefung vermittelnder Noten und des Takts, warum sollte dies unter veränderten Umständen nicht eben so gut möglich seyn in Ansehung der Farben, wenn ihre Bestandtheile und Zusammensekungen vorher beNimmt