I. VonderKunft der älteren Zeiten bis auf den Phidias,
A. Verzeichnis der berühmteden Kunfler dieser Zeit.
316 Il Theil. Von der Kunft nachden äußern Umständen
also nöthig, die Umskände anzuzeigen, in welchen sich die Griechen von Zeit zu Zeit befunden haben, welches kurzlich, und blog in Abficht auf unser Vorhaben geschehen wird; und aus dieser ganzen Geschichte erhellet, daß es die Freyheit gewesen, durch welche die Kunst empor gebracht wurde. Da ich nun eine Geschichte der Kunst, und nicht der Künstler, geben wollen, so haben die Leben von diesen, welche von vielen andern beschrieben sind, hier keinen Plaß; aber ihre vornehmsten Werke sind angegeben, und einige sind nach der Kunft betrachtet. Aus angezeigtem Grunde habe ich auch nicht alle Künfiler, deren Plinius und andere Scribenten gedenken, namhaft gemacht, zumal wenn die bloße Anzeige ihrer Namen und Werke, ohne andere Nachrichten, nichts lehren konnte. Von den älteßen Griechischen Künflern aber ist ein genaues Verzeichnis, nach der Folge der Zeit, beygebrachtz, theils weil diefe von den Neueren blok hiskorischen Scribenten der alten Künfiler, mehrentheils übergangen sind, theils weil sich in der Anzeige ihrer Werke einigermaßen der Wachsthum der älteßen Kunft offenbaret. Mit diesem Verzeichnisse, als mit den älteßen Nachrichten, fange ich diese Geschichte an. 12 minut
Die Kunft wurde von dem Dadalus an schon in den älteßen Zeiten geübet, und von dies berühmten Künfilers Hand wären noch zu des Paufanias Zeiten Bildniffe in Holz geschniket übrig, und er fäget, daß ihr Anblick bey aller ihrer Unförmlichkeit etwas Göttliches gehabt habe 1). Zu gleicher Zeit lebete Smilis 2), des Cucles Sohn, aus der Infel Aegina, welcher eine Juno zu Argos, und eine andere zu Samos machte; und vermuthlich ist Skelmis beym Callimachus 3) eben derfelbe. Denn er war einer der ältesten Künsfler, und dieser Dichter redet von einer hölzernen Statue der Juno von seiner Hand: man wird also anskatt Skelmis
1) Paufan. L. 2. p. 121. l. 6.
2) Id. L. 7. p. 531. l. 5.
3) Fragm. 105. p. 358.