Nicht wie eine Uufforderung. kltngt
es — wie ein Gefebl!
»Rouge,* fagt der miflionenfehmere
Ruffe und fcjiébt mit breiten ungefchickten Taken feine Goldplaketten auf
die rote Slee.
Und ,Rouge%, fitiftert der kleine
fchmalgliederige Krangofe, nach einem
priifenden Geitenblick auf feinen anbderen Nachbarn und ftoht feine Goldrollen
ruckweife auf den Life.
Gin kurges 3égern, dann [649 аи
bie blaffe raffige Hand eines Vritten,
bes Eng landers, ein Фйийет Gold
ms auf ,fouge .
Stun ftehen fie nebeneinander, die
bret Manner verfchiedener Raffen, die
==— nichts Gemeinfames batten bisher, in
~~ deren Augen aber jest ber gleiche funkeinde Raubtierblick liegt.
Die elfenbeinerne Kugel kreift hiipfend in ber fchwingenden Roulette.
Da beugt fich im legten Wugenblich
a der breite Wmerikaner driiben vor:
$. „Мот,“ пилите! ег дюНфеп den
“ 3ahnen.
tind ohne fic) gu erheben abt er
gelaffen knifiernde blaue Gdjeine auf
fehmarg fallen.
Gin Aigenblick atembehletnmender Spannung.
‘ в. blanke, kleine Rugel fallt. Die Roulette
teh.
„Мот... питего dix!
Der Reden bes belgifdjen Croupiers табы
gcr[térend in die goldenen Rollen, bie auf ,rouge“
liegen, und wie ein goldenes Blief ergieBen fich
bie Mtiingen iiber ben Sifch, hiniiber gum gliicklichen Gewinner.
Das Spiel wiederholt fich, fiebrig, erregt.
Wieder und immer wieder. :
„Мег... пог... вот.
Der Belgier rechnet, ordnet, заб, gefallig auch
gu den Gerlierenden, denn bie Chance kann fich
wenden — und er weift mit liebenswiirdigem
Lacheln auf feine Srinkgeldbiidjfe.
Aber unaufhaltfam fliekt ber Goldftrom aus
den Tafdjen der drei Wtinner heriiber tiber die
bréite griine Fluide in die unergriindlicjen Tafchen
bes tiberfeeifeyen Gaftes!
Das ift jeu — nur jeu — kein Sinnbild!
Denn rioch ift Frieden — — —
— — — Си 96Бег ИВ guckt grell tiber
den Potsdamerplay, reift fetne ЗЧаттен ей
in die Wolkenballen, die mit fplitterndem Rrachen
auseinanbderberften.
Regen prajfelt auf ме Фафет, fliebt an den
Hiufern herab, dah fie wie gewaltige feuchte Ceiber
in bie [ehwefelgelbe Luft fiehen.
Die brennenden Glumenbiindel in den weifen
Rérben verfeywinden unter gebliimten Sattunfcjiirgen, und die Bliiten ber Raftanien ertrinken
im SHerabflattern im erldfenden Via fchwerer
и пе 5 (фшШеи Ошитиидцен оетбГаВех
аде. — — —
Noch umbranden mich die tobenden Elemente
mit ungedammter Rraft, ic) aber fchweige erfdyaue
ernd und erlaufcye porabnend im Weltenraum
ben vieltdnigen Rang {ehwingender Glocken.
Denn einjt wird Frieden — — —
Splitter
Drohend — aufreizend! Эбщо аи де»
griffen, haftig, erreqt.
Gin kleiner engbriiftiger Scyreiber
fchiebt ben Kopf vor, feine BAugen
leuchten fanatifa) aus dem pockens
narbigen Geficht, und mit nafaler Stimme trompetet er, was von den Anderen
mit begeifterten 3urufen aufgenommen
wird:
„Фа, wenn ’s doch endlicd) fo weit
wire!! Wenn der Lag der revanche
504 anbriice — — endlich! — —
Dann reibe ich ein Gewehr рот За»
gel... mif diefen meinen {dywadjen
Sinden ... und ftiirme voran, inmmer -
als Grifter ... bin in wenigen Tages
бет а ВегИп ... ипб gebe т ‘5
©4410} А ВегИп ... ито pflange mich
mit meinem Gewehr vor Ihm auf...
und...
Der kleine Schreiber fpricht nicht
— er dbeklamiert, pathetifcy, mit grofen
Gebirden, wie feine Landsfeute alle,
menn fie in Crtafe geraten.
Ein graubartiger WUrbeiter fchiittelt 1
bekiimmert bern Stopf, mifbilligend,
unterbricht darn [eife, warnend:
„а, па, Мопз!еиг!! Wiffen Sie
benn iiberhaupt was Krieg heift?! .. .
Nein? ... Ma alfo, dann fehmeigen Sie! 93%
Бабе 70 шидетафЕ... 14 Вепие Баз @тацеп
‚.. kenne ben Rrieg ... kenne die Prussiens!
’nd von Paris паф Berlin — —?7? ’s iff
weiter, als Gie dbenken, Monsieur... glauben
Се пир... 016 шецет, ... ielleicht iff von
Berlin aus Paris ndger ... vielleidt ... mag
fein! .. .”
Dann оефниии er jah, еМавь Беиде 1194
auriich vor ben GFduften, die vor feinen Wugen
tanger.
Pfiffe, Pfuirufe gellenan fein Obr. Die bleine
Grifette kreifcht auf. Der rofa Rarton ijt. eingebriickt, Blafft auseinanber, und die echten Spigen,
bie die Friihlingsrobe einer grande amoureuse
aieven follten, {chlingen fich um kotbefprigte, trampelnde Wrbeiterfiipe.
Gergeblid) {chreit ber Schaffner fein , Silence,
Messiecurs !* in den Mtenfchenknauel. Der tai
hat fclummernde Apachen-Snftinkte entfeffelt —
fie miiffent fic) austoben.
Der alte Diann wird mit rohen Fauften aus
dem fabrenden Sram in ben Strabenfeylamm
hinabgeftofen — weil er die Wahrheit fprach,
aus Liebe gu feinem Lande und — weil ifm
Reiner glauben will!
Denn nocd iit Frieden. — — —
Moldene Worte
pOehgn SG’, Frau Gadubnagl, ebbas, wo wirkli ebbas is,
is ebbas anders als tvia ebbas, шо ma blop moant, es
wit’ ebbas, was ebbas is, und is ebbas, wo nig is.”
Die breithiiftige Wirtin bringt gefdaftig ote
3iehbarmonika ihres Gobnes heraus, legt fie mit
freundlicjem Ricken anf den $14. Ciner ber
jungen Ceute greift darnach, fingt dann voller
Gnnigkeit die fdywermiitigen und feurigen Cieder
feines Golkes. Geine Wugen leuchten vifioniix,
und ber Gann, der fonit fein Innerftes verfchlof,
{oft fic) in befreienden Worten.
Sn den ibm gugewendeten Geficdjtern guckt es
ат. Das Letdenfejaftliche feiner Rede erfehtittert bie Freunde, bis gu Cranen und fie umfeblieBen feine Hand mit feften Druck.
Da vergibt der Diingling feine Umgebung und
ohne auf die verwunbderten Blicke der anderen
Ausfliigler gu achten, erhebt er fic) wie trunken
von feinem Sig und jubelnd klingt es von feinen
Lippen:
vdtie, Greunde, nie werden wir vergeffen,
dak wir Bolen find... und id) fage Guch, der
Зав wird kommen, an dem wir uns wieder losreife’ werden von dem Lande, das uns nur
Schmiacdh und RKnecht{chaft gebracht. ... 4
rubt die felige Stunde ungeweckt im Gchobe der
Zukunft, aber wir Bolen wiffen es Ulle — der
Зав der Vefreiung — ber kommt — ja, der
kommt!“
Undiehtig neigen die Siinglinge ihr Haupt, und
ihve Hinde falten fich in ftillem Gebet.
Hinter ihnen aber, an einen Birkenftamm gee
lent, fteht die ruffifehe Wirtin mit verfchriinkten
Wemen:
yRinder find das... . ,
wunverftanbdige Pinder... 1
Und mifbilligend fchiittelt fie Den Kopf tiber
fo viel Lorheit! ...
Denn nod ift Frieden. — — —
murmelt fie leife,
Pldgltch, ohne Ubergang, tft per Gomimer tiber
Warfchau gekommen.
Bor einigen Woden noch beckte eine Бе
weike Gchicht den breiten Glug, und ftémmige
Manner bracken mit Stangen und Spikhaken
gewaltige Blicke aus bem Cis. Dann, eines
Morgens, knifterte es in ber Luft, Sdyneeklump en
ет auf ме fpigigen Pflafterfteine, die
Weichfel iiberfdywemmte die Ufer bis iiber den
Damm und die Sdyuljugend ruderte jubelnd in
flacken Rahnen von Haus 3u Haus.
Nun iff es warm und dumpf in den Stragen
Warfdaus. Es riedt nad) Thran und Flieder.
Gie fftehen aus den Vinuern, die drei jungen
polnijdjen Studenten — fucyen Riihlung tm
Schatien heller Virkenmilber — fehreiten in glei=
chem Sakt, frife) und gukunftsfrobh.
Gn dev kleinen Waldfdjenke fegen fie 1 аш
die hohen Banke an den feymaten Holgtifed), um
den brodelnden Samtowar, trinken dampfenden
Tee, traumen, fdywagken und rauchen eine 3igarette nach ber’ anderen, tim bie Miicken зи ver[Феифеп.
Die Sonne {НЕ durch die 3weige, fleckt gols
bene Sringel auf das gqriine шов.
Riviera — Oommer.
Weife Schaumkrondjen tangeln fehimnaernd
auf den Wellen. Das fatte fleiichige Grin dex
Galmen fteht plakatig gum tiefblauen Himmel.
Sn den Barkanlagen leudjten rote Bititen wie
kleine Slammejen. Monte Carlo liegt wie ausgeftorben. Die aden im Hotel de Paris find
herabgelaffen gum Grhuge gegen die fengende
Gonne.
Aber um 4 Ubr regt es fich. Geltalten fcyleicjen
triige aus ber kiiblen Halle ihres Hotels, kriechen
liber den Plagk, verfehwinden im Kafino. Dann
fieven fie um den Spieltifch, mit ftieren Blicken,
gterigen Sanden — wartend und lauernd.
»Faites votre jeu!“
Sm Worte ашепьеше! адеп gu wollen,
im Gage fo gut wie nidjts fagen gu konnen,
faft bie gefamte Y€ifthetenliteratur krankt an
diefem Sebler.
Dr.
Der Hut des Lanodvogtes will immer
mehr geehrt fein, wie die Rrone bes Fiirften.
Dr. Baer (Oberdorf)