72 Nr. 4505 Reichsbahnuniform, die Ziige straff und freundlich, 10 und 20 Jahre fiihren sie die Maschine iiber die Strecke, und — wie machen sie es? — sie sind die Ruhe selbst. Ach — wie sieht dieser Zug aus? Es ist bekannt, da& mit der Bezahlung der Fahrkarte jeder Fahrgast das Recht erworben hat, die erdenklichsten Speisereste in alle Winkel des Coupés zu verstreuen, die Hunderte von Zigarettenschachteln, die leeren Konfektpackungen, die Uberreste unzihliger harigekochter Eier, die Bananenschalen; Journale aller Stidte tiirmen sich unter den Binken. Diese Spuren der Fahrt zu beseitigen, ist fiir den Dienst der Kopfstation noch die geringste Kleinigkeit, davor kommen die Reinigungskolonnen nicht ins Wanken, die fleifigen Putzer schaffen es noch. Die Rangiermaschine bugsiert den Zug tiber das Labyrinth der Weichen auf das Abstellgleis. Kilometerweit dehnt sich die Schlange der abgestellten Ziige, die fertigen Kombinationen, der lebendige Inhalt der Kursbiicher. Die niedrigen Werkstatibauten werden iiberragt von dem Skelett der Rangierbriicken und Signale, von Wassertiirmen und Wasserkranen davor, aus deren Riisseln die Lokomotiven gespeist werden. Und wahrend das Fahrpersonal der verdienten Dienstpause teilhaftig ist, nimmt eine andere vielképfige Mannschait den Zug in Arbeit. Bald wimmelt es wie in einem Ameisendorf von geschiltigen Arbeitern; Scheuerund Putzfrauen marschieren auf, behiingt mit Besen und Staubsaugern, Ledertiicher und Biirsten schwingend. Die vielen hundert Messinggriffe und -schildchen sollen ja wie Uniformknépfe erstrahlen. Die Beleuchtungskérper werden gereinigt, dal? sie erglinzen, die Fensterscheiben werden blank gerieben, daft es funkelt. GroBe K6rbe werden heran, geschleppt mit Handtiichern fiir die Waschgelegenheiten im Zuge. Ein tigliches Grofreinemachen. Der grofe Ernst pflichterfiillter Genauigkeit tritt ganz zutage in der Arbeit am zugtechnischen Gerit. Vor allem am Untergestell Unter der Diktatur des КаБгр!апз. Ein Bahnhof aus der Vogelschau. (Phot. A. Rumbucher jun.) Е DIT RNS TBRBABPRP EIT Le grofe Stadt tost um die grofle braungraue Halle. Der bunte Wirbel des Bahnhols.) betriebes brandet empor — eine Symphonie stéhlerner Zweckhaftigkeit und vieler /]Sehnsiichte. Wie viele bewegte Empfindungen fressen sich in die silbernen Schienenbinder, die hier endlos, endlos in die Weite vieler Stidte und Lander springen! Zielstation, Ziel durchfahrener Tage und Niachte: Menschen quellen aus den Waggons, die Lokomotive himmert den Dampf aus den Ventilen, stolz hallt es vom Rund der Bogen wider. Vielleicht waren da drauffen auf der Strecke Stunden, in denen der Kampf schwer war fiir Mensch und Maschine, geprefit von der Unerbittlichkeit des Fahrplans. Etwa Thiiringens Berge, gefiirchtete Strecke voller Steigungen. Unermiidlich miissen die Kohlenstiicke aus dem Tender auf den Feuerrost fliegen, Schaufel um Schaufel; diese Strecke soll unter den Eisenbahnern nicht eben beliebt sein, und alle haben ihre Erinnerung daran. Vielleicht war da drauflen der Schneesturm, die Flocken berannten die Maschine, herausgelehnt starrt der Fiihrer nach vorn, die jagende Nasse trifft das Gesicht. Das Vorsignal, ist das Vorsignal noch nicht da? Wie kénnen Menschen denn nerviés werden? Es soll welche geben, die brauchen das Sanatorium, die haben den Lirm von Biiros in den Obren, das biftchen Schreibmaschine und Telephon, und es ist ihnen nicht bekommen. Gar keine Jiinglinge, die frischen Beamten in ny oP С OL wi a IA ee SOR? OV Art) IN AS lay А к ns YI Е м ‘ 7 № ¢ ‘i у \ = а et Hk: ww A И ~, % 4 i ay > = 1 Е. a cs ie 7) 7 ne oe Sa > ИЛ: cath if OE re eS Rachen-Reinigung. Fine Lokomotive wird wieder reisefertig gemacht. (Phot. Bruno Schriter. )