102 Nr. 4506 in sorgloser Vergniigtheit lagert diescr Beduine inmitten der stachligen Gesellschaft. Wie der Emir von Transjordanien wohnt: Residenz in der Hauptstadt Amman. Emir Abdullah ibn Hussetn, der Herrscher Transyjordaniens, TRANDSJORDANTEREN ГЕ HWI GEN +41N LAN D kK RPI. Lt) VON М Y. BEN-GAVRIEL (JERUSALEM) AUPNAHMEN.: J. GAL-EFS EP ist in Europa vielleicht unbekannter als Tibet, obwohl man in kaum sechs Autostunden vom Mitielmeerhafen Jafa dessen Hauptstadt Amman erreichen kann. Dieser zwischen Paldsiina und dem Reich des grofen Wahhabitenkonigs Ibn Saud liegende Nachkriegsstaat. dessen Bevilkerung zum griften Teil aus beduinischen Nomaden besteht, ist von weittragender Bedeutung fiir das englische Imperium, da er eine wichtige Rolle in der Frage des Landwegs von Europa nach Indien spielt. Abgesehen davon, bietet er eine ungeheuere Fiille von folkloristischem und archdologischem Material, das noch seiner wissenschaftlichen Bearbeitung harrt. Die zahlreichen innenund aufenpolitischen Probleme aber stellen diesen abenteuerlichen Staat in die erste Reihe der unruhigen Liinder des vorderen Orients. Der unbarmherzige Zusammenprall von Ost und West, das Zusammenstofen von uralter Tradition und orientalischer Mentalitit mit modernsten politischen und strategischen Erfordernissen erzeugt einen Zustand, der an Uberraschungen kaum zu iiberbieten ist. (Ein kleines Beispiel fiir das merkwiirdige Nebeneinander von gestern und heute: Kommst du. o Fremder. in den Palast des Emirs, dann siehst du ein lebendes Waffenmagazin von Beduinen, Tscherkessen und Asirsklaven in der Halle herumsitzen. Stehen sie auf. dich zu begriifen, dann glaubst du, der Teufel hole dich, denn du starrst in einen — riesigen Lachkabinettspiegel, den ein Amerikaner dem Herrscher des Landes pf fist in ete oder. wie das Land mit seinem offiziellen Namen heift, Scharq ul Urdun als Geschenk iiberreichte. Und trotzdem ist die Politik hier kein Witz!) Wenn man von den dauernden inneren Streitigkeiten und den nie zur Ruhe kommenden Kimpfen der Beduinenstimme untereinander absieht, ist es in erster Linie die Gefahr, die stets aus der gro8en Wiisie droht, wo die Wahhabiten stehen und immer wieder EKinfalle in das Gebiet des Todfeindes ihres grofen Kinigs machen, derzufolge man von einem mehr oder weniger konstanten Kriegszustand in Transjordanien sprechen kann. Niemals zu iiberbriickende Gegensiitze erschiittern das Land immer von neuem. Am deutlichsten aber sind die krassen Gegensiitze in Amman, der Hauptstadt, die vor dem Krieg eine kleine Tscherkessensiedlung war. Heute durchheulen Hunderte von Grammophonen den Basar; heute hat es einen Palast des Herrschers uuf einem Wiistenberg iiber der Stadt und lim Bergland Norditransjordaniens: Blick auf Ks-Salt.