herigen anschliessen und die getibten Formen durch ein kinstlerisches Medium veredeln; dann folgen Arabesken. Die vierte Stufe umfasst die menschliche Figur. Auf der ftinften Stule beginnen die plastischen Voribungen; Schattirung, Anwendung der Estampe und zweierlei Kreide auf couleurtem Papier. Die sechste und letzte Stufe endlich bringt das Zeichnen nach der Natur, — Es ist bekannt, dass gegenwarlig mancherlei ZeichnenLehrmethoden um den Preis der Zweckinassigkeit ringen. Es ist aber von anderer Seite auch darauf hingedeutet worden, dass nicht sowohl die Mcthode, als vielmehr die Lehrfahigkeit des Lehrers die anzustrebenden Erfolge sichere. (Schluss folgt.) Die diesjahrige Miinchener AusstelluneVon @, v. Schorn. (Fortsetzung.) Augen von seiner Burde abgewendet und blickt mit schmerzlicher Rihrung auf die Maria, welche die Arme nach dem entschlafenen Sohne ausstreckt. Rechts von dieser sitzt die andere Maria, trauernd das Haupt in die eine Hand gestiitzt, wahrend wir in der anderen die Nigel des Kreuzes erblicken. Trauernde Weiber, von denen es im Evangelium heisst, dass sie von ferne zusahen, stehen im Hintergrunde. Der Ernst des Schmerzes, entsprungen aus der religiés—feierlichen Stimmung, ist tiber das Ganze ausgegossen, und die tief-geistige Auffassung der dargestellten Handlung tibt im Augenblick eine religiés erhebende Wirkung auf das Gemitith des Beschauers. — In der technischen Ausfiihrung ist eine schéne, ausdrucksvolle Zeichnung mit kraftiger harmonischer Farbung und wirkungsvoller Haltung verbunden. F, S. Navez, Direktor der k. Akademie der b. Kiinste in Britssel, sandte drei Arbeiten ein, von denen hier zunichst der ersten, die heil. Familie darstellend, Erwahnung geschehen soll. Obschon der genannte Kinsler urspriinglich der Genremalerei angehort, so lieferte derselbe doch schon friiher die Zeichnungen zu vier Glasfenstern der Kathedrale St. Gudule in Briissel, hinter dem Altare, darstellend die vier Evangelisten, und bewies dadurch, dass er der Composition und Ausfiihrung religiés -erhabener Gegenstinde vollkommen Meister sei. Das Gemalde, welches uns hier vor Augen steht, zcigt die ganze Figur der Maria, in einem Lehnstuhle sitzend. Das schlafende Christuskind auf ihrem Schoosse halt sie mit beiden Armen umschlungen, wahrend ihr sorglicher Blick, in dem die reinste Multerzirtlichkeit zum Ausdrucke gelangt ist, dem Beschauer sich zuwendet. Zu ihren Fiissen sitzt auf zwei steinernen, mit Ornamenten verzierten Stufen der kleine Johannes. In ihm erblicken wir einen muntern halbnackten Knaben, im Spiele mit einem Lamme, das mit Bltithen und Bandern reich geschmiickt ist. Wir méchten glauben, der Kiinstler habe es sich hier zur Aufgabe gemacht, das erhebende Geftihl, welches uns ergreifen und vollkommen bemeistern soll, sobald wir vor ein Gemilde dieser Gattung hintreten, auf einem andcren als dem gewohnlichen Wege in uns hervorzurufen. Denn wenn sonst der Ausdruck der Géulichkeit, der aus den Augen der Madonna leuchtet, und der Geist des Ueberirdischen, der tiber ein Gemalde ausgegossen ist, bei der Betrachtung heiliger Familien vorztiglicher Meister auf uns wirkt, so ist es hier nur der himmlische Zauber eines innigen Familienlebens, der tiber die ganze Scene sich verbreitet und uns in der Mitempfindung des hdchsten Glickes zu reineren, erhabeneren Gedanken emporhebt. Navez, der mit besonderer Vorliebe und Meisterschaft im Fache des Genres italienische Volksscenen behandelt, hat es versucht, auch seiner Maria den Typus des stidlichen Charakters aufzudriicken. Sie erschcint nicht, wie bei vielen anderen, mit blond herabfallendem Haare, sondern dunkle Flechten, um die Stirne gelegt und von einem griinen Schleier umwallt, stehen gut zu den schén gezeichneten Brauen und Wimpern, die das weiche schwarmerische Auge beschatlen. Auch in der wohlthuenden Zusammenstellung bestimmter einfacher Farben und der gelungenen technischen Ausfihrung ist die getibte Hand des Meisters zu erkennen. Zwei Madonnen, in herkémmlicher Weise componirt und ausgefiihrt, von denen die Ictztere in eincr Landschalt dargestellt ist, lieferten Ph. Foltz in Miinchen und Johann Ender in Wien. Joh. Bapt. Miller, dessen Jeremias wir in der historischen Abtheilung ausfiihrlicher erwalnten, brachte den heiligen Lucas, die Madonna malend. Der Heilige, in ein braunes Gewand gehiillt, sitzt auf einem Schemel, die beiden Hinde im Schoosse tibercinandergelegt, deren eine den Pinsel halt. Das Obschon gerade Minchen der Ort ist, an dem die Malerei religidser Vorgange von jeher am meisten cultivirt wurde und sich in dieser Richtung der Kunst eine besondere Schule herausgebildet hat, finden sich doch auf der diesjahrigen Ausstellung nur wenige Gemalde dieser Galtung, die durch Neuheit der Composition und durch Grossartigkeit der Ausfiihrung unsere Aufmerksamkeit fesseln. , Drei Gemalde indessen sind hauptsachlich vor den tibrigen hervorzuheben. Ulr. Halbreiter, ein Miinchner Meister, wiahlte fir sein grosses Allarbild zum Vorwurf die Himmelfahrt und Kré- nung der Maria. Das Ganze zerfallt in zwei Gruppen, von denen wir die eine, die den unteren Theil der Darstellung ausmacht, mit dem Ausdruck der irdischen, die andere, welche sich auf den oberen Theil beschrinkt, mit dem der iberirdischen bezeichnen kénnen. Die erste derselben zeigt uns das leere Grab, aus dem Lilien emporsprossen und um welches sich die awolf Jinger Jesu versammelt haben. Thre Blicke, theils in das Innere des Grabes gerichtet, theils erhoben zur Mutter Gotltes, die auf Wolken getragen zum Himmel emporschwebt, zeigen theils den Ausdruck héchsten Erstaunens, theils den frommer Schwarmerei. Mannigfaltigkeit in der Haltung der Figuren und glickliche Anordnung in der Zusammenstellung machen den Eindruck cines harmonischen Ganzen. Diesen unteren Theil des Bildes mit dem oberen vermittelnd, schweben zu beiden Seiten vam Grabe aufwarts Gruppen von Engeln, die Himmelskénigin mit Harfen und Weihrauchgefissen begriissend. Sie selbst aber wird oben von Gott Vater und Sohn empfangen, die zu beiden Seiten thronen und im Begriffe sind, ihr eine Krone auf’s Haupt zu setzen. Wie sehr Halbreiter der technischen Behandlung Meister ist, haben schon seine friiheren Arbeiten hinlanglich bewiesen, nur hallen wir bei diesem letzten Bilde den oberen Theil noch lichter, atherischer dargestellt gewlinscht, wodurch derselbe an Leichtigkeit gewonnen und den Conirast des iberirdischen zum rein irdischen deutlicher hervorgerufen haben wirde. Jos. Ant. Fischer, ebenfalls ein Mtinchener, malte schon im Jahre 1849, beauftragt von Kénig Ludwig, ein Bild, das jetzt mit zur Ausstellung gebracht ist und die Grablegung Christi zum Gegensland hat. Wie in scinen friiheren Compositionen zeichnet sich Fischer auch in dieser durch eine héhere Auffassung der darzuslellenden Handlung aus. Auf der linken Seite des Bildes erblicken wir dvei Manner, beschaftigt den Leichnam Jesu in das Felsengrab hincinzutragen. Zwei derselben sind mit Turbanen auf dem Haupte dargestellt, der drilte dagegen, der den Entschlafenen unter den Armen gefasst hat, tragt das silbergraue Hauptund Barthaar frei herabfallend. Dieser hat die