Dentiches “4eitung fiir bildende Kunst und Baukunst. Kroovfitblatt. Organ der deutschen Kunstvereine. Unter Mitwirkung von Kugler in Berlin — Passavant in Frankfurt — Waagen in Berlin — Wiegmann in Disseldorf — Schnaase in Berlin — Forster in Munchen — Eitelberger v. Edelberg in Wien herausgegeben von Dr. FE. Begers in Berlin. Ae 1Y, Sonnabend, den 7. Mau. Зира: Nekrolog von August Kopischh —e— — Die diesjahrige Kunstausstellung in Hannover. (Fortsetzung.) — Kunsthteratur. Geschichte der deutschen Kunst von Ernst Férster. Zweiter Theil. H. A. Maller. Kunstvereine. Der Kunstund Literaturverein in Mainz. — Biicher— Zeitung. Berlin. Disseldorf. Dresden. Minchen. Warschau. Paris. — und Zeitschriftenschau. ап ЕЧчага НИдергапай египегр ууегаеп. Der wesentliche Unterschied zwischen diesem und Kopisch hierbei ist der, dass Hildebrandt mehr Meister seiner Kunst ist, um solche Stoffe bewdlligen zu kénnen. Dem Streben nach dem AussergewOhnlichen begegnen wir bei Kopisch tiberall, auch auf den anderen Gebieten seiner Thatigkeit. Aber, wiewohl ein solches Streben sehr wohl einer kiinstlerischen Natur conform ist, so ist es erfahrungsmassig doch zugleich haufig ein Kennzeichen untergeordneter Talente oder des Dilettanlismus. Das erwahnte Bild, um bei diesem stehen zu bleiben und daran unsere Ansicht zu entwickeln, giebt uns indess nicht Veranlassung, in dem Streben des Malers ein solches Kennzeichen zu finden, woll aber bietet es Gelegenheit, dergleichen darin zu suchen. Die Motive zu dieser Landschaft namlich, die im Mittelgrunde stehende umlaubte Ruine, das in der Ferne sichtbare Vorgebirge der Zauberin Kirke, monte cirrello, die den Fluss durchschwimmende Biiffelheerde, darum die Ruhe der weiten, safligen Grasflache, bieten ein so poelisches Ganze, dass wir ihm die kénstlerische Conception nicht absprechen dirfen. Dagegen zeigt sich in der Technik nicht der Grad der Ausbildung, der namentlich bei den Beleuchtungs-Effektstiicken erforderlich ist. Aber selbst in diesen Mangeln war Kopisch so geistreich, dass mancher Kiinstler ihm, trolz grésserer technischer Ausbildung, nachsland. Uebrigens hat gerade das erwahnte Bild doch solchen Beifall gefunden, dass Kopisch es mehrmals auf Bestellung copirt hat. Eine dieser Copieen befindet sich in Sanssouci. Seine anderen Bilder, der Wasserfall von Terni, der Golf von Neapel, die blaue Groite, Mondschein an der Kiiste gegeniiber dem Vesuv (aus einer beleuchteten Grolte gesehen), eine Aussicht tiber Potsdam, zur Zeit des grossen Kauriiirsten, eine Landschaft mit Nilpferden, unter dem Titel Afrika, eine ovale, sicilianische Kislenlandschaft, sind fast alle in dem Charakter der erstangefahrten , mit der Absicht auf ungewohnliche Lichteffekte, gemalt. Indem wir hier ganz tibergehen, was sich principiell gegen diese Richtung im Allgemeinen sagen lasst, miissen wir noch einer seiner Landschaften erwahnen, in welcher er freilich auf dem gefahrlichen Fusssteige zwischen dem Sublimen und Sonecrbaren einen ot49 Beiblatt. Die Versteigerung der Ackermann’schen Kupferstichsammlung in Leipzig. — Literarische Anzeigen. August Kopisch. Von einem Freunde des Verstorbenen sind uns die folgenden Notizen tiber Kopisch als Maler mitgetheilt worden; wir glauben, sie unsern Lesern nicht vorenthalten zu diirfen. August Kopisch, dessen plotzlicher Tod die mannigfachsten Kundgebungen einer aussergewohnlichen Theilnahme in den weitesten Kreisen erregt hat, ist nicht allein durch seine schriftstellerische, sondern auch durch seine kiinstlerische Thiligkeit so bekannt geworden. Freilich begegnet man unter Kinstlern Ofters der Ansicht, nach welcher Kopisch nur als Dilettant belrachtet wird; doch dulden seine Leistungen als Maler ein solches Urtheil entschieden nicht. Er bestimmte sich frith speciell fiir die Malerei, bezog im 16. Lebensjahre zu seiner kiinstlerischen Aus— bildung die Akademie zu Prag, ging spater zu demselben Zwecke nach Wien. und Dresden und dann nach Italien, wo er etwa vier Jahre, mit kiinstlerischen Studien beschaftigt, verweilte. Allerdings haben zwei Dinge ihn von der alleinigen Beschaftigung mit der bildenden Kunst abgehalten: einmal sein Uebel an der rechten Hand — in Folge eines Sturzes auf dem Eise —, sodann seine ausgedehnten klassischen Studien, die er fortwahrend zugleich betrieb. Aber dennoch hat Kopisch nie aufgehort, die Malerei als seine Aufgabe zu betrachten und sich zu den Kinstlern zu zihlen. Vergegenwirligen wir yns seine Arbeiten, mit welchen er seit einer Reihe von Jahren die hiesigen Kunstausstellungen beschickte; so werden wir den Grund zu jenem Urtheil, welches ihm nicht unter den Kiinstlern, sondern unter den Dilettanten seinen Platz anweist, wohl angeben kénnen. Eins der ersten seiner Bilder, welches durch héchst eigenthiimliche Auffassung allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zog, war ,der Sonnenuntergang in den pontinischen Siimpfen*. Es ist dies cine Landschaft mit so feurigrothem Himmel und glihenden Reflexen auf jedem Halme der sumpfigen, durch die Windungen cines Flusses und viele Graben durchschnittenen Ebene, dass wir durch die Intentionen dieses Bildes nur an einen Maler der neuveren Zeit, der solche Auffassungen gezeigt hat, TV, Jahrgang.