des preisgekrönten Hamburger Bismarckdenk mals hat es fertig gebracht, dem linearen Princip auch in der Freiplastik, also in der Körperkunst, zum Triumph zu verhelfen. Eine Curiosität und gewissermaßen eine Paradigma der modernen Kunstentwickelung — diese Bedeutung darf das Lederer’sche Werk in der That beanspruchen. Der modernen Baukunst ist die einseitige Betonung des linearen Principes im allgemeinen geläufig. Peter Behrens aber ist es geglückt, Methode daraus zu
machen und, um es scharf auszudrücken, mit Steinen in Linien zu zeichnen, da, wo er bauen, d. h. Massen und Körper im Raume darstellen sollte. Jedermann kann sich davon überzeugen. Er vergleiche den Schnitt, welcher die Räume und Etagen zeigt, mit der Außen-Architektur, und er
wird sehen, dass Behrens letztere im Gegensatze zur ersteren entwickelt hat. Wenn es eine zu allen Zeiten anerkannte und ewige Geltung beanspru
chende Grundforderung der Architektur ist, von Innen heraus zu bauen und die Räume, deren
man bedarf — das Bedürfnis kommt auch bei der Architektur in Frage — mit Massen zu umkleiden, so hat Behrens eine Außen-Archi
tektur „gezeichnet , rein als Coulisse unbekümmert um die Innenräume, ja, wie gesagt, im Gegensatze
zu den letzteren. Er hat also genau dasselbe gethan, was die Architekten der Barockzeiten thaten, welche die Fassade als ein Brett be
handelten, das sie decorierten. Und in der That kann es, je weiter die moderne Kunstentwicke
lung fortschreitet, desto weniger einem Zweifel unterliegen, dass wir nicht nur auf dem besten Wege sind, ein neues Rococo zu schaffen, sondern, dass wir schon mitten darin sind, während verhältnismässig nur wenige Stimmen sich dagegen erheben. Auf der einen Seite die Vernach
lässigung des Zweckes und des Bedürfnisses und die Beurtheilung der Kunst als Luxus, als des schlechthin Schönen und auf der anderen Seite die mehrfach beleuchtete einseitige Betonung des linearen und zeichnerischen Principes und dessen Überführung auf Kunstgebiete, welche in
letzter, nicht in erster Linie zeichnerisch sind, ist für diese Kunstentwickelung charakteristisch, die zwar nur eine ganz vorübergehende ist, gegen die jedoch angekämpft werden muss und deren Irrthümer den Künstlern und dem Publicum möglichst klar ins Bewusstsein geführt werden müssen. Vor allem wolle man sich nicht darüber hinwegtäuschen lassen, dass man es hier nur mit einer Wiederholung und Variation des Barockstiles zu thun hat. Wer daran zweifelt, sehe sich zum Beispiel die Ostfassade des Behrensʼschen Hauses mit seinen krummen Zügen, elipsen
förmigen Kellerfenstern und vor allem mit seinen unorganischen, unlogischen, vom Sockel bis zum First durchgehenden Lisenen an. wie sie von den Dielen der verschiedenen Stockwerke durchschnitten werden. Um Linienwirkung war es dem Künstler zu thun und Linienwirkungen
hat er erreicht, aber sollte ein Haus mit dem Körperlichen, dem Massen­und Raumprincipe nichts zu thun haben und nur eine Theaterdecoration vorzustellen haben? Soll die Außenarchitektur mit den Innenräumen nicht Hand in Hand gehen, sollte die Kunst auf der einen Seite mit dem Organischen, auf der anderen Seite nichts mit dem Harmonischen zu thun haben?
Dr. H. Pudor.
Richtigstellung: Auf Seite 22 des vorigen Heftes soll es unter der Abbildung des Grabdenkmals statt Innsbruck richtig heißen Admont.
Aus der Villa Loos in Melk a. D. Von den Architekten J. Plečnik & F. Czastka. (Tafel 50. )
Aus der Villa in Melk a. D. Von den Architekten F. Czastka & J. Plečnik. (Tafel 50. )
Grundrisse der Villa in Wien-Währing. Vom Architekten Oskar
Marmorek. (Tafel 53. )