Herausgeber; AdclOlptl DonGtfl /ahrgang 1928 V2* Apriltieft
DCit?et’s Gedenktag
Eum 6. April 1928
von
Hax 7- ftuecÜändet? Mit Stolz sprechen die Deutschen Dürers Namen
aus. Seine Geltung beruht aber weniger auf Blickerlebnissen denn auf Treu und Glauben.
Man mag es scheuen, sich dem Heros zu nähern, um ihm ja nicht zu nahe zu treten. Vielleicht bangen Skeptiker vor einem „Fall Dürer“, vor einer Entthronung und möchten deshalb den Tempel verschlossen halten, in dem das Götterbild steht.
Ein wenig öffnen sich die Pforten in diesem Frühjahr, und der Kunstfreund erhält Gelegenheit nach
zuprüfen, was die kunsthistorischen Tempelwächter ihm erzählt haben. Zuerst wird Enttäuschung unver
meidlich sein. Man erwartet viel von dem größten deutschen Maler. Der Geduld, der Hingebung wird sich allmählich die Gestalt eines Kämpfers erschließen, die den weiten Rahmen des Ruhmes ausfüllt.
Von andern Malern mag es Werke geben, in denen sie, ans Ziel gelangt, ihre Gestaltungsabsichten voll
kommen verwirklicht haben, so daß einzelne Werke — als Beispiele — Wirkungen unmittelbar ausüben, die
den großen Namen entsprechen. Solche Werke gibt es von Dürers Hand nicht. Seine Schöpfungen gleichen
Stufen, gleichen den Gliedern einer Kette. Nicht so sehr, was er getan hat, entscheidet, wie vielmehr, was er tat und in welcher Art er es tat. Wir müssen mit ihm gehen, an seinen Bestrebungen teilnehmen. Erst
die Kenntnis des Ganzen kann jenen Grad von Bewunderung hervorrufen, der erwartet wird.
Der Kunstfreund unserer Tage nähert sich den Schöpfungen der Maler mit einem Maßstabe, der vor Dürers Werken versagt. Er sucht den „Künstler“ und ist gewohnt, ihn zu erkennen an originaler und souveräner Phantasie, an zweckloser Gestaltung. Nun
war Dürer nicht Künstler in dem Sinne, den dieser Begriff angenommen hat. Er ging vom Handwerk aus und trachtete danach, das Handwerk durch Erkenntnis zu erhöhen. Im Zeitalter der Entdeckungen und Erfindun
gen erwarteten die Deutschen alles von dem Gedanken, in einer Periode umwälzender Geistesarbeit vertrauten sie der Aufklärung. Dürer war inwendig voller Bilder, aber der gefühlsmäßig produktive Gestaltungsdrang, wie stark er sich auch, namentlich in seiner Jugend, äußerte, geriet in Streit mit dem bewußten Tun. Nach seinen Worten sah Dürer die Aufgabe darin, „Ge
brauch“ und „Kunst“ zu vermählen. Unter Gebrauch
verstand er das erlernte, überlieferte Handwerk, unter Kunst aber nicht, was wir darunter verstehen, sondern
Wissen, Rechnung, gedankliche Zügelung. So hat mehr und mehr ein heroisches Magistertum das Chaos seiner Jugendkunst geklärt und geordnet. Nicht mit dem Egoismus des Künstlers, vielmehr mit dem Verantwortungsgefühle des Lehrers hat er nach meß